Nach Ausbruch: Bewohner aus Kasseler Erstaufnahme verlegt

Eine Virologin untersucht Proben auf das Coronavirus. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild
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18. Oktober 2020 - 18:30 Uhr

Nach dem Coronavirus-Ausbruch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Kassel sind mehrere negativ auf den Erreger getestete Bewohner in Ausweichquartiere gekommen. Das teilte das zuständige Regierungspräsidium Gießen (RP) am Sonntag mit. Um die "Gesamtsituation" besser handhaben zu können, seien 86 Menschen am Samstag vorübergehend in zwei andere Gebäude in der Stadt und im Kreis Kassel verlegt worden.

Zuvor habe man interne Verlegungen vorgenommen mit dem Ziel, die aktuell rund 300 Bewohner "räumlich so weit wie irgend möglich nach positiv und negativ Getesteten zu trennen". Viele Bewohner hätten dafür aber kein Verständnis gehabt, teilte das RP weiter mit. Zu einer Auseinandersetzung sei es zudem am Freitag gekommen, die die Polizei habe schlichten müssen. Die mit der Stadt Kassel abgestimmten Quarantänepläne hätten so nicht umgesetzt werden können und man habe sich zur Verlegung von Bewohnern entschlossen, "um wieder mehr Ruhe in die Einrichtung zu bringen".

Wegen des Ausbruchs mit rund 100 positiven Corona-Fällen in der Erstaufnahmeeinrichtung war auch die Inzidenz in der nordhessischen Stadt gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt mittlerweile nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bei 106,9.

Nach Bekanntwerden des Ausbruchs hatten Ärzte Vorwürfe gegen das Regierungspräsidium erhoben und unter anderem von nicht ausreichenden Räumlichkeiten für eine Trennung von Infizierten gesprochen. Die Behörde hatte argumentiert, es sei ausreichend Platz vorhanden, eine Verlegung Erkrankter sei wegen drohender neuer Infektionsketten nicht möglich.

Quelle: DPA