Nach ATP-Triumph: Tennis-Weltmeister Alexander Zverev auf den Spuren von Boris Becker

Steht Alexander Zverev eine ähnlich Karriere bevor wie Tennis-Legende Boris Becker?
Steht Alexander Zverev eine ähnlich Karriere bevor wie Tennis-Legende Boris Becker?
© imago/Hasenkopf, SpotOn

19. November 2018 - 16:26 Uhr

Tritt Zverev in Beckers Fußstapfen?

23 Jahre nach Boris Becker hat Deutschland wieder einen Tennis-Weltmeister. Mit 6:4 und 6:3 hat Alexander Zverev den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic im ATP-Finale vom Court gefegt. Zverev ist auf dem besten Weg, in Beckers Fußstapfen zu treten - auch, wenn dem 21-Jährigen der Vergleich mit der Tennis-Ikone noch unangenehm ist.

Becker-Vergleiche noch zu früh

Boris Becker sieht das allerdings anders. Nach Zverevs Triumph über den "Djoker" sagte er zu den Fähigkeiten seines Weltmeister-Nachfolgers: "Ein Deutscher mit Humor, der reden und über sich selbst lachen kann - ein Star ist angekommen." Nicht wenige trauen Zverev eine ähnliche Laufbahn wie Becker zu. Der 21-Jährige will sich damit jedoch so lange nicht beschäftigen, "bis ich als erster Deutscher nach ihm Wimbledon gewinne". Zverev unterlief mit dieser Aussage allerdings ein kleiner Fauxpas. Denn im Wimbledon Finale 1991 spielte Becker zwar mit, doch musste sich seinem Rivalen Michael Stich geschlagen geben. Stich ist somit der letzte deutsche Wimbledon-Sieger. Dennoch: Zverevs Karrierestart erinnert an den der Tennis-Legende - nicht nur auf dem Platz.

Der sportliche Vergleich

Der Stern von Becker ging auf, als er 1985 mit gerade einmal 17 Jahren Wimbledon gewann. Er war der erste ungesetzte Spieler, dem dieses Kunststück gelang und auch der jüngste. In seiner Karriere holte er mehr als 50 Titel, drei davon in "seinem Wohnzimmer" in Wimbledon. Der 50-Jährige gewann in den Jahren 1988 und 1989 die Titel im Davis-Cup und holte 1992 zusammen mit Michael Stich Olympia-Gold für Deutschland.

Von so viel sportlichem Ruhm ist Zverev noch weit entfernt. Und dennoch gehört er mit seinen 21 Jahren bereits zu den besten Tennisspielern der Welt. Seinen ersten Titel holte der damals 17-Jährige in der Junioren-Konkurrenz der Australien Open (2014), in Sankt Petersburg gewann er sein erstes ATP-Turnier (2016). Mit dem Sieg gegen Djokovic feierte das Tennis-Ass den bisher größten Erfolg seiner Karriere - und schwang sich zum jüngsten, inoffiziellen Weltmeister seit Djokovic auf, der das Turnier 2008 ebenfalls im Alter von 21 Jahren gewonnen hatte, damals allerdings ein paar Tage jünger war. Zverev weiß, dass seine Karriere letztendlich in Grand Slam-Titeln gemessen wird. Becker holte sechs. Doch Zverev steht erst am Anfang seiner Karriere.

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Die Spielweise

Beckers Spielweise war offensiv und körperbetont. Insbesondere sein schneller und harter Aufschlag machte ihn zu einem der besten Serve-and-Volley-Spieler seiner Zeit. Neben einer harten Vorhand war auch der "Becker-Hecht" - ein im Hechtsprung geschlagener Volley - eines seiner Markenzeichen. Becker war bekannt dafür, nie aufzugeben. Zudem fluchte und schrie die Tennis-Legende vor sich hin, um sich selbst zu motivieren.

Auch Zverev gilt als Mentalitäts-Monster. Der frühere Davis-Cup-Teamchef Niki Pilic sagte über ihn: "Man kann die Qualität von Sascha mit der von Boris Becker vergleichen. Sascha hat die spielerische Qualität, er besitzt Persönlichkeit. Sein Wille zu gewinnen ist wie bei Boris unmenschlich groß." Der stärkste Schlag des Rechtshänders ist die beidhändige Rückhand. Dazu kommt ein gefährlicher Aufschlag. Doch es gibt auch Bereiche, an denen der 1,98 Meter große Schlacks arbeiten muss: Neben Schwächen am Netz und Wacklern bei der Vorhand muss Zverev auch in Sachen Kraft und Kondition noch zu legen.

Preisgelder

Auch heute noch liegt Becker in der ewigen Preissgeldliste im Herren-Tennis auf Rang elf. Mehr als 25 Millionen US-Dollar erspielte sich der heute 50-Jährige in seiner Karriere.

Zverev liegt in diesem Ranking auf Platz 47. Rund 12 Millionen US-Dollar Preisgeld hat sich der 21-Jährige bereits gesicht - und das vor dem Triumph im ATP-Finale. Durch den WM-Sieg landen weitere 1,3 Millionen Dollar auf seinem Preisgeld-Konto.

Der private Vergleich

Auch abseits des Courts war Becker, der im beschaulichen Leimen geboren wurde, stets für Schlagzeilen gut - vor allem wegen seiner Liebesbeziehungen. Im Jahr 1993 heiratete er die Schauspielerin Barbara Feltus, mit der er zwei Kinder bekam. 2001 kam ein Seitensprung des Tennis-Idols ans Licht – aus dem ein Kind hervorging. Mit seiner letzten Ehefrau Lilly Becker hat er ebenfalls ein Kind. Doch auch nach seiner aktiven Karriere wurde es nie still um Becker: Steuerhinterziehung, Privatinsolvenz und zuletzt geriet der 50-Jährige mit einer angeblichen Diplomaten-Tätigkeit in die Schlagzeilen.

Auch hier ist Zverev weit von der Tennis-Legende entfernt. Allerdings sorgte der Youngster, der nie ohne Godlkettchen ein Match bestreitet, ebenfalls bereits für eine Menge Aufsehen. Erst im ATP-Halbfinale, in dem der 21-Jährige sein Idol Roger Federer bezwang, hatte er den Unmut der Fans nach einer umstrittenen Aktion auf sich gezogen und wurde ausgepfiffen. Zverev rang nach dem Match mit den Tränen. Auch mit Wutausbrüchen – inklusive zerkloppter Tennisschläger -  machte er Schlagzeilen. Zuletzt gab es aber auch gute Neuigkeiten für Zverev: Von einem Dating-Portal wurde er zum Tennis-Star mit dem größten Sex-Appel gewählt. Zumindest das konnte Boris Becker zu Beginn seiner Karriere nicht von sich behaupten.