Nach Ärztepfusch: Gericht spricht behindertem Jungen Millionen-Schadenersatz zu

Ärzte haben bei der Geburt eines heute Fünfjährigen gepfuscht.
Ärzte haben bei der Geburt eines heute Fünfjährigen gepfuscht.
© dpa, Jan-Peter Kasper

13. Februar 2013 - 14:49 Uhr

Ärzte begannen zu spät mit Not-OP

Weil Ärzte vor seiner Geburt gravierende Fehler gemacht haben, kam ein Junge mit schweren Behinderungen zur Welt. Fünf Jahre später sprach ihm das Bonner Landgericht Schmerzensgeld in Millionenhöhe zu.

Vor der Geburt des Jungen verabreichten die behandelnden Ärzte der Mutter ein Wehenbeschleunigungsmittel. Laut Urteil hätte das Medikament zu dem Zeitpunkt in keinem Fall verabreicht werden dürfen. Das Mittel ließ die Herztöne des Ungeborenen dramatisch abnehmen. Laut einer Leitlinie der Ärztekammer hätten die Mediziner spätestens nach 20 Minuten mit einer Kaiserschnitt-Geburt beginnen müssen, um den Zustand des Jungen nicht zu gefährden. Sie reagierten aber erst nach mehr als einer halben Stunde. Dadurch bekam der Junge zu lange keinen Sauerstoff und erlitt einen irreparablen Hirnschaden. Heute ist der Junge körperlich und geistig schwerbehindert.

Das Gericht verurteilte das Krankenhaus im Raum Bonn und zwei Klinikärzte zur Zahlung von 400.000 Euro Schmerzensgeld. Außerdem müssen die Mediziner für sämtliche Schäden aufkommen, die dem Jungen während seines Lebens bevorstehen. Nach Angaben der Bonner Kammer sind die Kosten noch nicht genau zu beziffern, gehen aber voraussichtlich in die Millionen.