"Langer und traumatischer Leidensweg"

Nach 800 Tagen Haft im Iran: Australierin Kylie Moore-Gilbert kommt frei

Dr. Kylie Moore-Gilbert kann endlich wieder nach Hause: Nach mehr als 800 Tagen  Haft im Iran hat die australische Regierung ihre Freilassung erwirkt.
Dr. Kylie Moore-Gilbert kann endlich wieder nach Hause: Nach mehr als 800 Tagen Haft im Iran hat die australische Regierung ihre Freilassung erwirkt.
© REUTERS, HANDOUT, EA

26. November 2020 - 10:44 Uhr

Moore-Gilbert war im Iran zu zehn Jahren Haft verurteilt worden

Die australische Islamwissenschaftlerin Dr. Kylie Moore-Gilbert war im September 2018 nach ihrer Teilnahme an einer wissenschaftlichen Konferenz im Iran verhaftet und wegen Spionage für Israel sowie Gefährdung der nationalen Sicherheit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 33-Jährige hatte die Vorwürfe stets bestritten. Nun kommt sie frei – nach insgesamt mehr als 800 Tagen in Haft.

Wissenschaftlerin dankt ihren Helfern

In this frame grab from Iranian state television video aired Wednesday, Nov. 25, 2020, British-Australian academic Kylie Moore-Gilbert is seen in Tehran, Iran. Iran has freed Moore-Gilbert, who has been detained in Iran for more than two years, in ex
Dr. Kylie Moore-Gilbert im iranischen Staatsfernsehen, kurz nachdem verkündet worden war, dass sie freikommt.
© AP

Australiens Regierung hat die Freilassung der Dozentin an der Universität Melbourne im Iran bestätigt. "In Absprache mit ihrer Familie wurde Dr. Moore-Gilberts Freilassung durch diplomatisches Engagement bei der iranischen Regierung erreicht", schrieb Außenministerin Marise Payne in einer Mitteilung. "Dieses Ergebnis zeigt den Wert professioneller und entschlossener Arbeit, die für jeden Fall am besten geeignet ist, um komplexe und sensible konsularische Fälle zu lösen."

Zuvor waren alle Versuche der australischen Regierung, ihre Freilassung über diplomatische Kanäle zu ermöglichen, gescheitert. Die Justiz im Iran sei unabhängig und lasse sich bei nationalen Fragen nicht auf politische Vermittlungen ein, hieß es in Teheran.

Moore-Gilbert dankte in einer Erklärung denen, die sich während des "langen und traumatischen Leidenswegs" für ihre Freiheit eingesetzt hatten. "Ich habe nichts als Respekt, Liebe und Bewunderung für die große Nation Iran und ihre warmherzigen, großzügigen und mutigen Menschen. Mit bittersüßen Gefühlen verlasse ich das Land, trotz der Ungerechtigkeiten, denen ich ausgesetzt war", schrieb die 33-Jährige.

Wurde Moore-Gilbert gegen drei andere Häftlinge ausgetauscht?

Einen Bericht des staatlichen iranischen Fernsehsenders "Irib", wonach die Freilassung im Rahmen eines Gefangenenaustauschs erfolgte, bestätigte die Regierung in Canberra nicht. Im Gegenzug für Moore-Gilberts Freilassung sollen demnach drei im Ausland festgehaltene Iraner freigekommen sein.

Dieses Jahr gab es schon zwei Gefangenaustausche im Iran. Im Februar wurde ein Deutscher und im März ein Franzose gegen jeweils einen Iraner ausgetauscht. Im Dezember 2019 kam ein im Iran inhaftierter amerikanischer Historiker frei - im Gegenzug wurde ein iranischer Forscher in den USA aus dem Gefängnis entlassen.