US-Justiz in der Kritik

Krebspatientin (36) klaut Lebensmittel für knapp 100 Euro - Knast statt lebenswichtiger OP

Ashley Menser hat Krebs, sie wurde wegen Ladendiebstahls zu Haftstrafe verurteilt
Ashley Menser hat Krebs, sie wurde wegen Ladendiebstahls zu Haftstrafe verurteilt
© Facebook, ashley.via.332

06. Februar 2020 - 11:37 Uhr

Vorstrafen für Urteil entscheidender als Gebärmutterkrebs?

Ashley Menser leidet unter fortgeschrittenem Gebärmutterkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Ihr müsste die Gebärmutter entfernt werden, damit sie die Krebserkrankung überleben kann, erklärte ihr Vater mehreren US-Medien. Stattdessen sitzt die 36-Jährige im Knast. Zu zehn Monaten Haft verurteilte sie ein Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania, weil sie in einem Laden Lebensmittel im Wert von 109, 63 Dollar (umgerechnet knapp 100 Euro) stahl. Am Tag ihrer Verurteilung zählten offenbar ihre Vorstrafen mehr, als Termine mit ihren Ärzten zu ihrer Krebstherapie, die Ashley Menser jetzt nicht mehr wahrnehmen kann.

„In welchem Universum verdienst du zehn Monate Knast für einen 110-Dollar-Diebstahl?“

Das Urteil des Gerichts in Lebanon steht in der Kritik. John Fetterman, Vizegouverneur des US-Bundesstaates Pennsylvania, fragte in der "New York Times": "In welchem Universum verdienst du zehn Monate Knast für einen 110-Dollar-Diebstahl?" Der demokratische Politiker bezeichnete das Urteil als viel zu hart und kritisierte das US-Justizsystem für seinen Umgang mit Vorbestraften, die unter psychischen und physischen Erkrankungen litten.

Wie Mensers Anwalt der Zeitung erklärte, habe die junge Frau in der Vergangenheit Opium genommen, sei aber seit einer Weile drogenfrei. Außerdem habe die 36-Jährige starke Medikamente gegen eine Postraumatische Belastungsstörung bekommen, die mit dem Verlust ihres Kindes zusammenhänge.

13 Vorstrafen wegen Diebstahls

Im Januar verurteilte der Richter die krebskranke Frau für den Lebensmitteldiebstahl aus einem Laden in Lebanon im Jahr 2018. Dabei wurden laut US-Medienberichten ihre 13 Vorstrafen wegen Diebstahlsdelikten berücksichtigt. Außerdem habe der Richter beachtet, dass "das staatliche System sehr leistungsstark in der Behandlung schwerer gesundheitlicher Probleme von Häftlingen" sei, zitiert die "New York Times" die Staatsanwältin Pier Hess Graf.

Demnach soll Menser in eine Einrichtung verlegt werden, wo sie behandelt werden könne. Doch die Eltern der Krebspatientin fürchten, dass es dann bereits zu spät sein könne. Ein Arzt habe ihrer Tochter jüngst gesagt: "Wenn wir die OP nicht geschafft kriegen, werden Sie sterben. Es [der Krebs] frisst Sie von innen auf." Am Tag ihrer Verurteilung hätte Ashley Menser einen Arzttermin zur Vorbesprechung ihrer Gebärmutter-Entfernung gehabt. Doch dann fiel das Urteil zur Zehn-Monate-Haftstrafe. Ob sie so lange noch lebt, weiß die 36-Jährige nicht.