2018 M11 15 - 12:30 Uhr

Kanté lehnt gängiges Steuerspar-Modell ab

In der Premier League sparen Clubs und Spieler anscheinend eine Menge Geld durch Gründung von Offshore-Firmen. Chelsea-Profi N'Golo Kanté wollte bei diesem Spielchen nicht mitmachen.

Kanté ist der Anti-Ronaldo

Manchmal kommt es einem so vor, als hätten Fußballprofis die Steuerhinterziehung zum Hobby gemacht. Luka Modric, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi standen in Spanien wegen dieses Vergehens vor Gericht und mussten Nachzahlungen im zweistelligen Millionenbereich leisten. In Deutschland schlug der Fall Uli Hoeneß hohe Wellen: Das Landgericht München sprach den Bayern-Präsidenten im März 2014 wegen der Hinterziehung von mindesten 28.5 Millionen Euro Steuern schuldig und verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren Haft.

Vor diesem Hintergrund ist N'Golo Kané eine positive Ausnahmeerscheinung, wenn nicht gar der Traum eines jeden Steuerbeamten. Wie aus einem Bericht des 'Spiegel' im Zuge der Football-Leaks-Veröffentlichungen hervorgeht, weigerte sich der französische Nationalspieler bei seinem Wechsel zum FC Chelsea 2016, bei Steuertricksereien des Clubs mitzumachen.

Vom Steuerspar-Modell hätten Club und Spieler profitiert

Demnach schlug Chelsea dem Neuzugang von Leicester City vor, einen Teil des Gehalts als Gebühr für persönliche Bild- und Vermarktungsrechte an eine eigens zu diesem Zwecke gegründete Offshore-Firma in einem Steuerparadies zu zahlen. Der 27-Jährige hätte dadurch Steuern gespart, während der Club weniger Sozialabgaben hätte zahlen müssen. In der Premier League soll dieses Modell gängige Praxis sein.

Der Weltmeister erklärte jedoch, sein Gehalt aus Angst vor Ermittlungen lieber "ganz normal" ohne die Abtretung dieser Rechte an eine Offshore-Firma ausgezahlt zu bekommen, wie aus Mails von Kantes Steuerberater an Clubverantwortliche der Londoner hervorgeht.

Erst später sollen sich Kanté und Chelsea geeinigt haben, Zahlungen für die sogenannten "Image Rights" über ein Unternehmen in Großbritannien laufen zu lassen. Für den Franzosen bedeutete dies offenbar eine finanzielle Mehrbelastung von knapp 580.000 Pfund (658.000 Euro), dies soll Chelsea jedoch anschließend durch eine höhere Beteiligung an Werbedeals wieder ausgeglichen haben.