Auswirkungen des Koffeinboosts

Kaffee: Gesund oder ungesund - was macht er mit unserem Körper?

Ob als Wachmacher am Morgen, für den Energieschub zwischendurch oder einfach aus purem Genuss - Kaffee ist das Lieblingsgetränk vieler Menschen.
Ob als Wachmacher am Morgen, für den Energieschub zwischendurch oder einfach aus purem Genuss - Kaffee ist das Lieblingsgetränk vieler Menschen.
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22. Juli 2021 - 12:20 Uhr

Was macht Kaffee mit unseren Herzen?

Kaffee ist das Wundermittel des Jedermanns und für viele kaum aus der Tagesroutine wegzudenken. Er ist Wachmacher, sorgt für Energie. Aber was macht der Koffeinboost mit dem Herzen? Forscher haben das Wechselspiel untersucht.

Zu viel Kaffee ist schlecht fürs Herz - stimmt das wirklich?

Morgens einen Kaffee oder zwei oder drei und der Tag kann starten. Ein Leben ohne die Bohne ist für viele überhaupt nicht denkbar. Er ist Muntermacher und Treibstoff. Das liegt vor allem an dem Koffein, das in ihm steckt. Seine belebende Wirkung macht den Kaffee zu einem der beliebtesten Getränke der Welt. Doch zu viel von dem Trunk, so eine uralte Befürchtung, und das Herz kommt aus dem Takt. Maßvolles Trinken ist die Maxime. Dabei stimmt die These überhaupt nicht – ganz im Gegenteil.

Lange Zeit ging man davon aus, dass übermäßiger Kaffeekonsum schlecht ist, Herzklopfen verursachen könnte, wo es nicht hingehört – nämlich aus der Reihe. Es wurde vor einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen gewarnt. Basis für diese Annahme war vor allem eine kleine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 1980. Die These hält sich nach wie vor hartnäckig, obwohl neuere Untersuchungen diese mitnichten stützen. Kaffee, weiß man heute, hat viele positive Eigenschaften, er wirkt antioxidativ und entzündungshemmend. Inzwischen geht man davon aus, dass Kaffeetrinker seltener an Krebs, Diabetes, Parkinson erkranken.

Kaffee, (k)eine Herzensangelegenheit

Kaffee soll für Herzrhythmusstörungen verantwortlich sein. Aber stimmt das wirklich?
Kann Kaffee Herzrhythmusstörungen auslösen?
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Mehr als 386.000 Menschen beteiligten sich an der Studie, die am Montag in "JAMA Internal Medicine" veröffentlicht wurde. Gut drei Jahre lang legten die Forscher:innen ihr Augenmerk auf sogenannte Tachyarrhythmien, also Herzrhythmusstörungen, zu denen auch Vorhofflimmern gehören kann. Die Teilnehmenden waren zwischen 40 und 69 Jahre alt, tranken im Schnitt zwei Tassen Kaffee täglich. Faktoren wie Demographie, Lebensstil, Krankheiten sowie Bedingungen, die Herzflattern verursachen können, wurden einbezogen. Und: Jede Tasse Kaffee, die zusätzlich zur gewohnten Menge konsumiert wurde, senkte laut Studie das Risiko für eine Arrhythmie sogar um drei Prozent, so Gregory Marcus, Professor in der Abteilung für Kardiologie an der University of California San Francisco, in der Studie. Mehr war also sogar besser.

Das bedeutet aber nicht, dass nun hemmungslos literweise Kaffee getrunken werden sollte. Hans Hauner ist Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, er sagte der "Welt", dass gegen bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag aus gesundheitlicher Sicht nichts einzuwenden sei – vorausgesetzt, man sei gesund und nehme in Verbindung mit Koffein weder Drogen noch Medikamente ein.

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Kaffee und Herzrhythmusstörungen: Forscher entdecken keinen Zusammenhang

Die Forscher:innen haben sich außerdem angesehen, welchen Einfluss das sogenannte Kaffee-Gen hat. Das CYP1A2-Gen unterstützt den Körper bei der Verstoffwechselung des Koffeins. Funktioniert es wie es soll, wird das Koffein so abgebaut, dass es meist nicht schädlich ist. Doch das Gen kann mutieren und dadurch den Prozess verlangsamen. In diesem Fall kann die Wirkung des Kaffees nicht nur stärker, sondern auch anhaltender sein. Doch auch das scheint keine Auswirkungen auf das Herz zu haben. In der Studie wurden keine signifikanten Hinweise für einen Zusammenhang dieser "Störung" und Herzrhythmusstörungen gefunden.

Dass Kaffee Herzflattern verursachen könne, sei eine These aus älteren, kleinen Studien. Eine überholte These. Eine Überprüfung von 201 Meta-Analysen habe ergeben, "dass moderater Kaffeekonsum wahrscheinlich eher gesundheitsfördernd als -schädigend ist", so Marcus. Auf die Extra-Tasse Kaffee muss also nicht verzichtet werden. Die Daten der Studie deuteten viel mehr darauf hin, dass gängige Verbote von Koffein, die das Risiko von Herzrhythmusstörungen senken sollen, "wahrscheinlich nicht gerechtfertigt sind". (stern.de/tpo)

Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.