Rotmilane vergiftet

Wer steckt hinter dem mysteriösen Vogelsterben in Schleswig-Holstein?

24. September 2020 - 17:51 Uhr

Fundorte machen stutzig

Der Rotmilan gehört zu den streng geschützten Vogelarten. In den vergangenen zwei Jahren wurden in Schleswig-Holstein 16 verendete Tiere gefunden. Besonders auffällig: Fast alle Fundorte liegen in der Nähe von potentiellen Flächen für Windenergie-Parks. Was es damit auf sich hat und welche Theorien infrage kommen – das zeigen wir Ihnen im Video.

Mehrere Vögel wurden vergiftet

Eine Labor-Analyse der Tierklinik Wasbek bei Neumünster hat einen Anfangsverdacht bestätigt: Spuren des hochgiftigen Insektenvernichtungsmittel E605 konnten in den Kadavern der Rotmilane nachgewiesen werden. Das Mittel wird im Volksmund auch "Schwiegermutter-Gift" genannt und ist in Deutschland eigentlich verboten. "Wenn man die Rohsubstanz nimmt und spritzt die in ein potentielles Beutetier – Kaninchen, Taube, Huhn – und der Vogel nimmt davon einige Brocken auf, dann stirbt er in kurzer Zeit", erklärt Tierarzt Johannes Frahm. "Es kommt zu Muskelkrämpfen, die zum Herzstillstand und Ersticken führen."

Wo Rotmilanen sind, darf kein Windpark entstehen

In den Vogelmordfällen gibt es nicht nur bei den giftigen Tatwaffen Parallelen, sondern auch bei den verdächtigen Tatorten, die alle in potentiellen Flächen für Windkraftanlagen liegen. Windkraftanlagen müssen in Schleswig-Holstein einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Rotmilanen einhalten. Ist der Horst näher dran, kann eine Anlage nicht gebaut oder muss räumlich verschoben werden. Denn rotierende Windräder stellen für die geschützten Milane eine riesige Gefahr dar.

Täter droht bis zu fünf Jahre Gefängnis

Matthias Ahrens von der Polizei Kiel nimmt die Sache ernst: "Das Töten von geschützten Tierarten kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bis 50.000 Euro geahndet werden." Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen.