Mysteriöser Tod auf der "Gorch Fock" 2008: Wie starb Jenny Böken wirklich? Jetzt spricht ein neuer Zeuge

04. September 2018 - 16:23 Uhr

Jenny Böken starb in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008

Exakt zehn Jahre – so lange ist es her, dass Offiziersanwärterin Jenny Böken über Bord des Segelschulschiffes "Gorch Fock" ging und starb. Die Leiche der damals 18-Jährigen wurde elf Tage später vor Helgoland gefunden. Seitdem kämpfen ihre Eltern um eine vollständige Aufklärung des Vorfalls, denn sie sind sich sicher, dass der Tod ihrer Tochter kein Unfall war, auch wenn Staatsanwaltschaft und Marine von Anfang an von einem Unglück gesprochen haben. Jetzt könnte es neue Hoffnung für die Eltern geben.

Musste Jenny sterben, weil man eine Schwangerschaft vertuschen wollte?

Der Anwalt der Familie teilte mit, dass sich ein Zeuge gemeldet und in einer eidesstattlichen Erklärung versichert habe, dass Jenny an Bord der "Gorch Fock" nicht verunfallt, sondern getötet worden sei. Zuerst berichtete der WDR von den neuen Entwicklungen. Der Zeuge selbst spreche von Mord, sagte der Anwalt, es sei aber mindestens von Totschlag auszugehen. An Bord soll ein Video kursiert sein, das einen sexuellen Übergriff auf Jenny zeige. Die junge Frau habe daraufhin mit einer Anzeige gedroht. Außerdem soll Jenny von dem Zeugen schwanger gewesen sein.

Die Eltern wollen jetzt eine Wiederaufnahme der Ermittlungen erreichen, denn an ein Unglück glaubten sie selbst nie - was Jennys Vater zu den neuen Erkenntnissen über Jennys Tod sagen, sehen Sie in unserem Video.

In nur zwölf Jahren gab es vier Todesfälle auf der Gorch Fock

Das Privatfoto der Eltern vom Freitag (15.08.2008) zeigt die 18-jährige Offiziersanwärterin der Bundesmarine Jenny Böken an Bord der Gorch Fock im Hafen von Mürwick. Elf Tage nach ihrem Verschwinden ist eine Soldatin des deutschen Segelschulschiffs «
Die erst 18-jährige Jenny Böken starb vor zehn Jahren auf mysteriöse Weise.
© dpa, A9999

Schon lange gab es Ungereimtheiten im Fall Jenny Böken. Sie soll bei ruhiger See von ihrem Posten bei der Nachtwache von Bord gefallen und ertrunken sein – als sie jedoch später gefunden wurde, hatte sie kein Wasser in den Lungen. Ein Hinweis darauf, dass die junge Frau schon tot gewesen sein könnte, bevor sie ins Wasser stürzte. Auch Jennys privates Tagebuch ist nie gefunden worden. Die Akte mit ihrem Namen liegt noch immer bei der Bundeswehr unter Verschluss.

Der Tod von Jenny ist kein Einzelfall: Insgesamt kam es in den Jahren 1998 bis 2010 zu vier Todesfällen auf dem Segelschiff. In den vier Jahrzehnten davor gab es jedoch insgesamt nur zwei. Kann das wirklich noch Zufall sein? Das wird sich zeigen – ob die Ermittlungen im Fall Jenny Böken wieder aufgenommen werden, ist noch ungewiss.