Was können Eltern im Notfall tun?

Mutter warnt: 2-jähriger Sohn durch Nikotinkaugummi vergiftet

© Facebook/Sophie Balint

22. November 2019 - 15:06 Uhr

2-Jähriger hielt Nikotinkaugummi für normalen Kaugummi

Nur kurz ließ Sophie Balint (23) aus Port Talbot in Wales (Großbritannien) ihre beiden Söhne (2 und 4 Jahre alt) während ihrer Renovierungsarbeiten aus den Augen. Als sie wiederkamen, kauten beide Kaugummi. Wenige Minuten später fing der zweijährige Tommy an zu schwitzen, rollte mit den Augen, konnte sich schließlich nicht mehr bewegen. Er hatte sich vergiftet - an einem Nikotinkaugummi.

Mutter will nun andere Eltern vor Nikotinkaugummis warnen

Sophie Balint
Sophie Balint warnt nach ihrem Erlebnis andere Eltern davor, Nikotinkaugummis in für Kinder zugänglichen Schubladen aufzubewahren.
© Facebook/Sophie Balint

Die beiden Kinder hatten die Nikotinkaugummis offenbar in einer Schublade im Schlafzimmer gefunden und für normale Kaugummis gehalten. Sophie Balint sorgte sofort dafür, dass ihr Söhne Tommy und Ozzy die Kaugummis ausspucken, für den zweijährigen Tommy war es da aber schon zu spät. Zwei Minuten später fing er an zu schwitzen und zu erbrechen. "Innerhalb von 15 Minuten war er leblos, er konnte nicht mehr aufstehen. Seine Augen rollten nach hinten, er war blass und konnte sich nicht mehr bewegen", wie seine Mutter in ihrem Facebook-Post schreibt.

Sophie Balint und ihre Jungs hatten Glück: Ihr Nachbar ist Ersthelfer und half der Familie, wie "Wales Online" berichtet. "Er telefonierte mit dem Rettungsdienst und wir sollten Tommy auf das Sofa legen und ihn wachhalten." Kurze Zeit später kamen die Rettungssanitäter, Tommy kam ins Krankenhaus. Dort untersuchten die Ärzte seine Organe. Herz und Blutwerte waren im normalen Bereich, doch die Ärzte waren schockiert darüber, wie stark Tommy auf die Nikotinkaugummis reagierte. "Wenn er die ganze Packung gekaut hätte, hätten seine Organe vermutlich versagt", erklärten sie Sophie Balint.

Nikotinvergiftungen bei Kindern sind nicht selten

Nikotinvergiftungen bei Kindern sind keine Seltenheit. Wie eine Anfrage der Grünen bei der Bundesregierung ergab, wurden dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von 1990 bis 2017 128 Fälle mit Nikotinvergiftungen bei Kindern (0-13 Jahre) mitgeteilt. Darunter Vergiftungsfälle durch Zigarettenkippen, Liquids für E-Zigaretten, Tabak, Shisha-Tabak, nikotinhaltigen Kaugummis und Tabakpflanzen. Das Problem: Meldungen von Nikotinvergiftungen erfolgen nicht vollständig. Die realen Zahlen zu Vergiftungen sind also vermutlich weit höher.

Auch Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht warnt: "Ja, Nikotin kann zu einer Vergiftung bei Kindern führen." Weil Kinder über weniger Körpermasse verfügen, wirkt das in Nikotinkaugummis enthaltene Nikotin bei Kindern viel stärker als bei Erwachsenen, erklärt er. Zudem sind sie es, anders als erwachsene Raucher, nicht gewöhnt, Nikotin zu konsumieren. Kinder sind "nikotin-naive Wesen". Das ist vergleichbar damit, wenn Kinder plötzlich Kaffee oder Energy-Drinks trinken - und das nicht gewöhnt sind.

Was sind Symptome bei einer Nikotinvergiftung?

Zunächst einmal sollten Eltern Zigaretten, Nikotinkaugummis oder -Pflaster, genau wie Medikamente, nicht frei für Kinder zugänglich aufbewahren. Wenn Kinder trotzdem Nikotin zu sich genommen haben, erkennt man eine Vergiftung an folgenden Symptomen:

Bei niedriger Vergiftungsdosis:

  • Verstärkter Speichelfluss
  • Herz rast
  • Kind ist unruhig
  • Kind ist blass

Ist die Dosis höher, reagiert der Körper eher verlangsamend, im schlimmsten Fall führt das dann zum Tod, so Specht.

Was können Eltern bei einer Nikotinvergiftung tun?

Verschluckt ein Kind zum Beispiel einen Zigarettenstummel, passiert in den meisten Fällen nichts, erklärt der Allgemeinmediziner. Eltern sollten ihr Kind darum erstmal beobachten.

Treten oben beschriebene Symptome auf oder sind Eltern in Sorge, sollten sie die Giftnotrufzentrale anrufen. Dies ist für akute Vergiftungsfälle 24 Stunden erreichbar und hilft in der Not. Welche Gitnotrufzentrale für Sie zuständig ist, können Sie hier nachlesen.

Dr. Christoph Specht empfiehlt Eltern ihrem Kind nach einer Nikotinvergiftung Aktivkohle aus der Apotheke geben. Diese bindet das Nikotin. Er rät allerdings davon ab, das Kind nach einer möglichen Vergiftung zum Erbrechen zu zwingen. Wenn wenig Zeit verstrichen ist, kann eine Magenspülung helfen, allerdings sollten die nur Ärzte vornehmen.

Was Sie tun sollten, wenn Ihr Kind sich mit Reinigungsmitteln, Medikamenten oder Pflanzen vergiftet hat, lesen Sie hier.