Getöteter Afroamerikaner aus Minneapolis

Mutter von George Floyds Tochter: "Er wird sie niemals aufwachsen sehen"

03. Juni 2020 - 18:47 Uhr

Roxie Washington gibt emotionales Statement

Fast jeder dürfte mittlerweile den Namen George Floyd kennen. Doch wer war der Mann, der in den USA gewaltsam von Polizisten getötet wurde? Was war er für ein Mensch? Seine Ex-Freundin und Mutter seiner Tochter hat jetzt ein emotionales Statement abgegeben, weil sie genau diese Fragen beantworten möchte. "Ich möchte Gerechtigkeit für ihn, weil er ein Guter war, egal, was irgendjemand denkt", sagte sie dem US-Sender CNN.

George Floyds Tochter Gianna "der Beweis, dass er ein guter Mann war"

"Das ist der Beweis, dass er ein guter Mann war", sagte sie mit Blick auf ihre sechsjährige Tochter Gianna. Er sei von Texas nach Minneapolis gezogen, weil er sein Leben habe besser machen wollen. Seine Tochter habe er auch aus der Ferne immer unterstützt. Als Roxie von seinem Tod erfahren habe, hätte sie nicht gewusst, wie sie es der Sechsjährigen sagen sollte.

"Er wird sie niemals aufwachsen oder ihren Abschluss machen sehen. Niemals wird er sie zum Traualtar begleiten können", sagte Washington unter Tränen.

New York: Ausgangssperren ignoriert - aber nur vereinzelter Vandalismus

Unterdessen liefen in vielen amerikanischen Städten die Proteste weiter. Die Demonstranten trotzten den Ausgangssperren, doch das weitgehend friedlich: In Washington, New York und Los Angeles demonstrierten viele Menschen bis zum späten Dienstagabend wieder gegen Rassismus und Polizeigewalt. In New York kam es dem Nachrichtensender CNN zufolge zu einzelnen Fällen von Vandalismus, es gab jedoch keine größere Ausschreitungen wie in den vergangenen Nächten. Die Proteste hatten sich nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis über das ganze Land und schließlich auch in der ganzen Welt ausgebreitet. 

Im Video: George Floyds Festnahme aus anderer Perspektive

Auslöser für die Proteste: Der gewaltsame Tod von George Floyd

Zuvor waren am Dienstagnachmittag in vielen US-Städten - darunter auch Atlanta, Denver, New Orleans, Philadelphia, Chicago und Houston - Tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen Polizeigewalt, Rassismus, Benachteiligung und Ungleichheit zu protestieren. Der Auslöser der Proteste war Floyds Tod in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am Montag vergangener Woche. Er soll nach Angaben der Familie am Dienstag kommender Woche in Houston beerdigt werden. Floyd war in der Metropole in Texas aufgewachsen.

People can be seen in front of a graffiti by the artist Eme Freethinker with the writing ''I can't breathe'' and the portrait of George Floyd can be seen in Berlin Mauerpark days after the death of George Floyd, an African-American man from Minnesota
Auf der ganzen Welt protestieren Menschen nach dem Tod von George Floyd gegen Rassismus und Polizeigewalt - hier ein Kunstwerk aus Berlin.
© Zuma / SplashNews.com

Polizei in Minnesota wird untersucht

Die Polizei in Minneapolis muss sich wegen des Vorfalls jetzt einer eingehenden Untersuchung wegen möglicher diskriminierender Praktiken unterziehen. Der Gouverneur des Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, teilte am Dienstag mit, die Menschenrechtsabteilung seiner Verwaltung habe eine Bürgerrechtsklage gegen die Polizeibehörde der Großstadt eingebracht. Nun würden deren Richtlinien, Verfahren und Praktiken der vergangenen zehn Jahren untersucht, um herauszufinden, ob die Polizei in Minneapolis systematisch Minderheiten diskriminiert habe.

Im Video: Bruder von George Floyd ruft zu friedlichem Protest auf

Ließ Donald Trump Demonstranten für einen Fototermin aus dem Weg räumen?

Auch in Washington demonstrierten am Abend erneut Hunderte Menschen vor dem Weißen Haus. Demonstranten skandierten Slogans wie "Wir bewegen uns nicht" und "Scheiß auf Eure Ausgangssperre". Viele hielten auch Plakate der Bewegung "Black Lives Matter" hoch, auf anderen stand "Ich kann nicht atmen" - Worte, die Floyd kurz vor seinem Tod geäußert hatte, als ein weißer Polizeibeamter minutenlang auf seinem Hals kniete.

Am Vortag hatten Sicherheitskräfte - darunter auch die Militärpolizei – vor dem Weißen Haus Proteste gewaltsam aufgelöst. Während die Polizei gegen weitgehend friedliche Demonstranten vorging, drohte US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses mit dem Einsatz des US-Militärs, um den Unruhen ein Ende zu setzen. Er sagte auch, er werde "Abertausende schwer bewaffnete Soldaten" entsenden, um weitere Ausschreitungen in Washington zu stoppen. Nach dem Auftritt besuchte Trump noch eine episkopale Kirche und posierte mit einer Bibel – die Inszenierung des dabei entstandenen Fotos wurde stark kritisiert. Um zur Kirche zu gelangen, war Trump über den zuvor gewaltsam geräumten Lafayette-Platz gegangen.

01.06.2020, USA, Washington: Donald Trump, Präsident der USA, hält eine Bibel, während er die St. John's Episcopal Church besucht. Der Park der Kirche wurde während der Proteste in Brand gesteckt. Trump hat die Mobilisierung aller verfügbaren zivilen
Für dieses Foto erntete Trump Kritik: Er instrumentalisiere die Kirche und den christlichen Glauben, um seine Position gegenüber den Demonstranten zu stärken
© dpa, Patrick Semansky, PS pat

US-Regierung verlegt 1.600 Streitkräfte nach Washington D.C.

Unterdessen machte der US-Präsident seine Drohung war und verstärkte die Militärkräfte rund um Washington. US-Justizminister William Barr kündigte an, die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt würden in der Nacht zum Mittwoch noch einmal verstärkt. Das US-Militär erklärte, rund 1600 Militärpolizisten und Infanteristen seien auf Militärstützpunkte rund um Washington verlegt worden, um die Sicherheitskräfte bei Bedarf zu unterstützen.