Mutter klagt über Essener Kita: "Mein Sohn fühlt sich als Ausländer"

24. August 2018 - 10:43 Uhr

33-Jährige polarisiert mit ihrem Video

Eine junge Mutter aus Essen beklagt in einem Facebook-Video, dass fast kein Kind in der Kita-Gruppe ihres Sohnes Deutsch sprechen würde. Ihre Wutrede wurde im Netz bereits über 1,8 Millionen Mal aufgerufen – und spaltet die User auf Facebook. Wie die Mutter auf die heftigen Kommentare reagiert, sehen Sie im Video.

Sie möchte nicht falsch verstanden werden

"Mein Sohn fühlt sich hier als Ausländer" – mit diesen Worten macht Leen Kroetsch ihrem Ärger auf Facebook Luft. Ihr dreijähriger Sohn sei in einer Kita-Gruppe von 25 Kindern das einzige deutsche Kind und könne deshalb keinen Anschluss finden, sagt die 33-Jährige im Video. Die anderen Kinder seien allerdings zu großen Teilen islamisch sozialisiert und würden sich gut untereinander verstehen.

Damit traf sie wohl einen Nerv: In kürzester Zeit wurde das Video mehrere zehntausend Mal geteilt. Viele verstehen die Mutter, die gerade ihr Kind im Kindergarten eingewöhnen muss und nun wütend über die Umstände vor Ort ist. Andere werfen ihr vor, Vorurteile als Tatsachen darzustellen.

Im Video nimmt die Mutter, die selbst mit ausländischen Kindern in einem Boxclub arbeitet, dazu Stellung.

In Essen fehlen mehr als 2.000 Kitaplätze

Bei der Kita-Gruppe ihres Sohnes handelt es sich laut Jugendamt um eine sogenannte "Notgruppe". Sie wurde Anfang August von der Stadt eingerichtet, um zusätzliche Betreuungsplätze anzubieten. In Essen fehlen davon insgesamt mehr als 2.000.

Am meisten ärgert Leen, dass sie den Kita-Platz ihres Sohnes einklagen musste, weil sonst ihre berufliche Existenz bedroht gewesen wäre. Die Eltern "von Mohammed, vom Ali und wie sie alle heißen" hätten dagegen nicht klagen müssen, sagt sie. Die 33-Jährige zieht daraus den Schluss: "Integration geht vor Existenz" und fordert deshalb die Politik zum Handeln auf.

Kita-Verantwortliche widersprechen der Mutter

Die Stadt Essen und die Kita - laut "WAZ" eine Einrichtung des katholischen Kindergartens St. Joseph in Leithe - haben inzwischen auf die Vorwürfe reagiert.

Die Kita-Verantwortlichen sehen keinen Grund zur Sorge: In der Kita sei die einzige gemeinsame Sprache Deutsch, sagt Petra Struck vom Kita-Zweckverband des Bistums. Es gebe auch nicht nur muslimische Kinder, sondern auch konfessionslose und buddhistische. Bei einigen Flüchtlingskindern hapere es aber noch bei den Sprachkenntnissen.