11. April 2019 - 7:16 Uhr

Ermittler wollen weitere Tatorte und Opfer finden

Unter den Opfern des Würzburger Kinderporno-Falls sind Kinder einer Tagesstätte. Einige der Jungen seien zweifelsfrei identifiziert worden, teilte die Zentralstelle Cybercrime Bayern am Mittwoch mit. Die Aufnahmen seien in der Kindertagesstätte im Stadtteil Heuchelhof gemacht worden. Die Staatsanwaltschaft gehe aber bislang nicht davon aus, dass das Personal der Kita von den Aufnahmen wusste. Die Ermittler arbeiten noch daran, weitere Tatorte und Opfer ausfindig zu machen.

Die Mutter eines der betroffenen Kinder hat sich gegenüber RTL geäußert. "Er hat die Todesstrafe verdient", sagt sie über den mutmaßlichen Täter. Was sie noch über den Mann denkt, der vermutlich pornografische Fotos ihres Sohnes veröffentlicht hat, zeigt unser Video.

Logopäde unter Kinderpornografie-Verdacht

Weil sie verdächtigt wurden, in Würzburg Kinderpornografie hergestellt und verbreitet zu haben, waren im März zwei Verdächtige festgenommen worden. Einer von ihnen wurde später wieder freigelassen; sein Lebensgefährte befindet sich noch in Gewahrsam. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Die Verteidiger des mutmaßlichen Täters haben gestern Abend der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg schriftlich die Namen der Opfer und Tatorte mitgeteilt. Ihr Mandant wolle kooperieren und hat den Ermittlern auch ein Passwort für passwortgeschützte Dateien auf seinem PC mitgeteilt.

Der 37-jährige Logopäde soll pornografische Bilder und Videos mit kleinen Jungen im sogenannten Darknet verbreitet haben, also in einem abgeschirmten Bereich des Internets. Er hatte in verschiedenen Einrichtungen mit Kindern zu tun. RTL hat mit einem schockierten Vater gesprochen. Was er zu dem Vorfall sagt, zeigen wir im Video oben.

Kita-Träger äußert sich betroffen

Der Träger der betroffenen Kindertagesstätte Vogelshof, das Evang.-Luth. Dekanat Würzburg, hat sich in einer Pressemitteilung "tief betroffen und entsetzt" über den Fall geäußert. Man habe einen "Maßnahmenkatalog mit Experten des Jugendamtes und der Jugendhilfe erarbeitet" und will darüber mit den Eltern ins Gespräch kommen. Die bisherige Leitung habe sich entschlossen, ihr Amt ruhen zu lassen, bis alles geklärt sei. Eine neue kommissarische Leitung sei eingesetzt worden.

Spur der IP-Adressen führte nach Würzburg

Bei den Opfern handelt es sich offenbar ausschließlich um Jungen im Kindergartenalter. Sie sollen über Jahre hinweg missbraucht worden sein. Die Ermittlungen führten die Beamten über IP-Adressen nach Würzburg – und dann zu dem Verdächtigen. Nach Angaben der Ermittler geht es um eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen.

So ermittelt die Polizei Kinderporno-Täter

Um Kinderpornografie vor Gericht bringen zu können, müssen die Ermittler das beschlagnahmte Material sichten. So sammeln sie Beweise gegen die Täter und können weitere Opfer ermitteln. Unser Video zeigt diesen harten, sehr wichtigen Job am Beispiel des Landeskriminalamts NRW.