Mutter erhebt schwere Vorwürfe: Anis (4) lag minutenlang bewusstlos in der Kita

27. März 2017 - 17:24 Uhr

Fall von unterlassener Hilfeleistung in Berlin?

Wenn Eltern ihr Kind in der Kita abgeben, dann müssen sie den Betreuern gezwungenermaßen vertrauen. "Man legt das Leben eines Kindes in deren Hände, man verlässt sich darauf", sagt Cassandra Lippert. Die junge Mutter aus Berlin musste allerdings feststellen, dass auf ihre Kita kein Verlass ist. Ihr Sohn Anis wäre nach einem Fieberkrampf in der Kita fast gestorben, weil die Erzieher viel zu spät und falsch reagierten. Jetzt will die Mutter gegen die Einrichtung vorgehen.

Die Kita hatte nicht den Notarzt zuerst angerufen, sondern die Mutter

Cassandra Lippert
Cassandra Lippert will jetzt gerichtlich gegen die Kita vorgehen.
© RTL

Vor zwei Wochen hatte der 4-jährige Anis in der Kita einen Fieberkrampf bekommen. Immer wieder treten solche Anfälle bei ihm auf - er wird dann bewusstlos und zuckt unkontrolliert. Deswegen hat seine Mutter extra ein Notfallset mit Zäpfchen in der Kita deponiert. Sogar mit ärztlicher Anweisung, wie das Medikament zu verabreichen ist und mit dem Hinweis, dass der Notarzt verständigt werden muss. Doch genau so reagierten die Erzieher nicht.

"Mir wurde am Telefon gesagt, dass er seit fünf Minuten nicht mehr ansprechbar und apathisch ist - dann kam die Frage, was denn jetzt zu tun ist", erinnert sich Cassandra Lippert. Die Kita hatte nicht den Notarzt zuerst angerufen, sondern die Mutter. Und auch das Notfallset wurde gar nicht erst benutzt - weil niemand wusste, wo es liegt.

Anis kämpfte auf der Intensivstation um sein Leben, musste reanimiert werden. Mittlerweile ist der Kleine wieder zu Hause. Hätte Anis sein Notfallzäpfchen bekommen, hätte alles verhindert werden können. Aber wie kann es sein, dass so eine lebenswichtige Anweisung nicht befolgt wurde? Unser Reporter fragte bei der Kita nach und wurde sofort rausgeschmissen.

"Wir haben jetzt allerdings eine schriftliche Stellungnahme bekommen. Darin heißt es, dass man sofort einen Rettungsdienst gerufen hat, allerdings schreiben die weiter auch, dass man jetzt arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen die Mitarbeiter prüft", sagt RTL-Reporter Sven Schümmer. Ein Schuldeingeständnis der Kita?

Tatsächlich kam heraus, dass das Notfallset sieben Wochen lang in einem Rucksack in der Kita lag, seit einem Ausflug. Cassandra will nun gegen die Kita klagen. Ihre Chancen auf einen Erfolg vor Gericht stehen gut: "Nicht zu handeln, war hier tatsächlich unterlassene Hilfeleistung. Und noch schlimmer: vermutlich Körperverletzung durch Unterlassen. Die Kita-Leitung kann tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden", erklärt Rechtsanwalt Ernst Andreas Kolb. Cassandra betreut Anis derzeit selbst. Ab September geht der 4-Jährige dann in eine andere Kita.