Mutmaßlicher Mörder von Mohamed gesteht Mord an Elias

26. Juli 2016 - 20:07 Uhr

Paket gefunden: "Darin kann sich durchaus der Elias befinden"

Die entführten Kinder Mohamed (4) und Elias (6) sind vom selben Täter getötet worden. Der am Donnerstag festgenommene mutmaßliche Mörder des vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, Silvio S., gestand auch die zweite Tat. "Er hat in der Vernehmung in der Nacht eingeräumt, Mohamed und Elias getötet zu haben", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Mutmaßlicher Mörder von Mohamed gesteht auch Mord an Elias
Mutmaßlicher Mörder von Mohamed soll auch Mord an Elias gestanden.

Die Polizeistellen und Staatsanwaltschaften von Berlin und Brandenburg berichteten auf eine Pressekonferenz von den ersten Ergebnisswen der Ermittlungen. Als erstes sprach Michael von Hagen von der Berliner Staatsanwaltschaft. Die Obduktion habe ergeben, dass es sich bei der gefundenen Leiche um den kleinen Mohamed handelt. Der Junge sei sehr kurz nach der Entführung erdrosselt worden. Der Beschuldigte gab zu, den Jungen mit zu ihm nach Hause genommen zu haben und sexuell missbraucht zu haben. Als er "gequengelt und gemault hat" habe der Beschuldigte Mohamed mit einem Gürtel erwürgt. Zum einen, damit niemand durch den Lärm alarmiert wird, zum andern, damit Mohamed nicht über das Geschehene Auskunft geben kann.

Anschließend soll der Mann die Leiche in eine Wanne gelegt und vollständig mit Katzenstreu bedeckt haben. Entgegen ersten Informationen bewahrte er die Leiche bei sich zuhause auf. Erst am Tag seiner Verhaftung habe er Mohamed ins Auto geladen und sei herumgefahren, um eine Besorgung zu machen. Als er wieder nach Hause kam, erwartete ihn bereits die Polizei, die die Mutter des mutmaßlichen Täters informiert hatte.

Silvio S. sei lange verhört worden und habe umfassend ausgesagt, so von Hagen. Schließlich habe er einen weiteren Mord gestanden, und zwar an dem kleinen Elias aus Potsdam. An dieser Stelle schalteten sich die Behörden von Brandenburg ein. Deren zuständiger Staatsanwalt Heinrich Juncker bestätigte das Geständnis bezüglich Elias. Im Gegensatz zum Tathergang im Fall Mohamed machte Silvio S. aber keine weitergehenden Angaben. Er soll nur eine Skizze angefertigt haben, wo er die Leiche des Jungen vergraben hat.

Bei der Suche in Luckenwalde im Süden von Berlin hat die Polizei ein Paket gefunden. Das berichtete der Stabsleiter der Polizei Brandenburg, Michael Scharf. "Darin kann sich durchaus der Elias befinden." Weitere Details dazu gab es noch nicht. Das eingewickelte Paket sei an dem Ort gefunden worden, den der Verdächtige skizziert habe. Die Polizei hatte eine Kleingartenkolonie weiträumig abgesperrt.

"Die Mutter hat ethisch und moralisch das Richtige getan"

Über mögliche Verbindungen zum Verschwinden der kleinen Inga, sagte die Polizei, man stehe seit jeher in Kontakt mit der zuständigen SoKo in Sachsen-Anhalt, nun aber noch etwas enger. Es habe während der Ermittlungen in den Fällen Elias und Inga ein paar wenige Bezüge gegeben. Sachsen-Anhalt liege zudem in geographischer Nähe, geäußert habe sich Silvio S. allerdings nicht. Für die weiteren Ermittlungen sind nun die Behörden in Brandenburg zuständig, da der Beschuldigte dort seinen Wohnsitz habe.

Die Eltern des Mannes in Niedergörsdorf in Südbrandenburg erkannten ihren Sohn am Mittwochabend anhand der Bilder wieder. Die Mutter informierte am Donnerstag die Polizei. Der Sohn stellte sich an dem gemeinsamen Wohnort und brachte die Leiche des Jungen im Kofferraum seines Autos mit.

Dass die Mutter des Entführers der Polizei den entscheidenden Hinweis gab, ist aus Sicht von Experten etwas Besonderes. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, Isabella Heuser. Die Frau dürfte zuvor eine Weile mit sich gerungen haben. "Mit Sicherheit hat die Mutter nicht das Fahndungsfoto gesehen und sofort zum Hörer gegriffen", sagte Heuser.

Die Frau hatte ihren Sohn nach Darstellung der Polizei zunächst mit ihrem Verdacht konfrontiert. "Das kann auch schiefgehen und damit enden, dass die Eltern selbst angegriffen werden", erklärte die Psychologin. Insgesamt habe die Frau "ungeheuer mutig" gehandelt. "Die Mutter hat ethisch und moralisch das Richtige getan."

Die Polizei sieht derzeit keine Verbindung zwischen der Tötung der beiden Jungen Elias und Mohamed sowie dem Fall der seit einem halben Jahr verschwundenen fünfjährigen Inga aus Sachsen-Anhalt. Zwar stehe die Polizei in engem Kontakt zu den Ermittlern in Potsdam und Berlin, sagte ein Sprecher. Das sei aber von Anfang an der Fall gewesen und habe mit der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der beiden Jungen nichts zu tun.