Motiv geklärt?

Mutmaßlicher Killer nannte Lübcke "Volksverräter"

21. Juni 2019 - 21:18 Uhr

In Chat beschimpft

War es eine Bürgerversammlung im Jahr 2015, die den Zorn von Stephan E. auf Walter Lübcke lenkte? Damals soll sich der Politiker für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Lohfelden (Hessen) ausgesprochen haben. Gerade mal einen Kilometer von Stephan E.s Wohnung entfernt. Angeblich soll der Tatverdächtige Lübcke daraufhin in einem Chat als "Volksverräter" bezeichnet haben. Aufnahmen zeigen den Mann angeblich bei der Demo der rechtsradikalen Gruppe "Combat 18" - mehr dazu im Video.

Ging es um Flüchtlingsheim

Es war eine Bürgerversammlung mit etwa 800 Besuchern. Angeblich verteidigte der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke seinerzeit den Bau einer Flüchtlingsunterkunft ganz in der Nähe. Dort sollten Erstankömmlinge in Deutschland aufgenommen und versorgt werden. Zu dem aufgebrachten Publikum haben Lübcke gesagt: "Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist."

Zwar habe sich Stephan E. an dem Tag unauffällig verhalten, danach soll er aber im Internet Hetze gegen Lübcke betrieben haben, berichtet der "Spiegel". Angeblich soll der Tatverdächtige laut Ermittlern Lübckes Auftritt in Lohfelden "sehr genau wahrgenommen" haben. Danach habe er das Ganze "kommentiert" und "bewertet". Gleichgesinnte sollen offenbart haben, E. habe den Politiker in einem Chat außerdem als "Volksverräter" bezeichnet.

Videoaufnahmen von Stepahn E. bei Neonazi-Gruppe

Obwohl Stephan E. in den vergangenen Jahren nicht mehr als Rechtsextremist aufgefallen sein soll, zeigen Videoaufnahmen den Mann am 23. März dieses Jahres bei einer rechten Veranstaltung im sächsischen Mücka. Dort wurde er zusammen mit Mitgliedern der Neonazi-Organisation "Combat 18" (deutsch: "Kampftruppe Adolf Hitler") und der Neonazi-Vereinigung "Brigade 8" fotografiert, das berichtete "Monitor". Angeblich soll die Gruppe "Combat 18" Verbindungen zum Terrornetzwerk der NSU gehabt haben.

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hatte noch am Dienstag erklärt, der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke sei aber in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten.