Zerbrechliche Freiheit

Junge Afghaninnen fahren Motocross - trotz Unterdrückung

30. Juli 2020 - 13:52 Uhr

Dreckig, aber egal!

Die seelischen und körperlichen Verletzungen sitzen tief bei den Frauen Afghanistans. Werden sie in der Öffentlichkeit aktiv, sind sie immer wieder Opfer von Drohungen und Einschüchterungen. Doch Negin Afshar ist mutig: Die 16-Jährige hat Benzin im Blut - sehen Sie im Video, wie sie als eine der wenigen Frauen im Land Motocross fährt. Dreckig, aber egal!

"Ich möchte afghanische Frauen inspirieren"

Inmitten der zerbrechlichen Freiheit will die Jugendliche eine andere Seite ihres Landes zeigen und beweisen, dass Frauen dem Sport genauso gewachsen sind wie Männer. "Ich fahre seit einem Jahr Motorrad. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, waren diejenigen, die mich dabei ermutigt und unterstützt haben."

Schon zuvor hat Negin Leichtathletik betrieben, gewann als Teil der Nationalmannschaft sogar drei Medaillen in Dubai. Doch als sie den lauten und dreckigen Motorsport sah, den im Land eigentlich nur Männer betreiben, wollte sie als eine der ersten Frauen Teil des Teams in Kabul werden. "Ich möchte afghanische Frauen inspirieren und ihnen zeigen, dass auch sie einen harten Sport wie diesen machen können", betont die Jugendliche.

Frauenrechte durch Terrorgruppe in Gefahr

Negin fährt Motorrad
© Reuters

Doch die Taliban regierten in Afghanistan von 1996 bis 2001, beschränkten die Frauenrechte schon damals massiv. Frauen durften keine Sportart mehr ausführen, wurden aus der Öffentlichkeit gehalten.

Nachdem die USA im Februar ein Abkommen mit den Taliban unterzeichnet haben, könnte die Terrorgruppe Beobachtern zufolge wieder eine Rolle in der Regierung einnehmen. Frauen haben Angst, ihre Rechte zu verlieren.

Negin Afshar ist sich dennoch sicher: "Unsere Regierung wird den Taliban, falls sie zurückkehren sollten, nicht erlauben, die Frauenrechte einzuschränken. Die größte Schwierigkeit mit den Taliban ist ihr Umgang mit Freiheit und den Rechten afghanischer Frauen. Wenn sie unsere Rechte einschränken wollen, werden wir Widerstand leisten. Ich werde mein Land nicht verlassen. Ich will hier bleiben und meinem Land dienen."

Eltern wollen Tochter unterstützen - egal was kommt

Trotz der massiven Unsicherheit im Land unterstützen ihre Eltern Negin – Mutter Frishta Afshar ist sogar Vorsitzende des nationalen Motocross-Verbandes. "Wir können nicht sagen, dass wir uns keine Sorgen machen und wir werden uns ohne Zweifel Herausforderungen stellen müssen. Momentan gibt es verschiedene Reaktionen auf Frauen im Sport."

Die 32-Jährige hat Angst, dass Sport für Frauen erneut verboten werden könnte. Die Privilegien ihrer Tochter scheinen fragil. "Mein Mann und ich werden Negin aber immer unterstützen, egal was kommt", verspricht die Mutter.

Unter den 100 Motocross-Fahrern in Kabul befinden sich mittlerweile zehn Frauen, die sich trotz Misshandlungen, Ehrenmorden und Zwangshochzeiten im Land nicht unterdrücken lassen wollen.