Epidemiologe sieht keine dritte Corona-Welle

Mutationen auf dem Vormarsch: Wie gefährlich sind sie wirklich?

18. Februar 2021 - 20:23 Uhr

Inzidenzwert stagniert wieder - warum?

Ein Blick auf die aktuelle Inzidenzkurve zeigt: Die Neuinfektionen sind seit Weihnachten kontinuierlich zurückgegangen – bis zu diesem Wochenende. Seitdem, also seit 4 Tagen, stagniert der Inzidenzwert bei etwa 57/58 Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Und das, obwohl wir uns weiterhin im Lockdown befinden. Der Grund ist wahrscheinlich die Ausbreitung der Virus-Mutation aus England. Vor knapp zwei Wochen lag der Anteil der B.1.1.7-Varianten in Deutschland noch bei sechs Prozent, inzwischen bereits bei mehr als 22 Prozent. Man geht davon aus, dass sich ihr Anteil derzeit jede Woche verdoppelt. Und das könnte den positiven Trend der vergangenen Wochen wieder zunichtemachen.

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Wenn eine Mutante dabei ist, geht's extrem schnell

Die britische Virus-Mutation ist in Deutschland also auf dem Vormarsch, trotz Lockdown, aber warum? Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, erklärt: "Wir haben Ausbrüche: Eisfabriken, Seniorenheime. Und wenn da eine Mutante drin ist, dann geht das extrem schnell."

Virusvariante scheint nicht tödlicher zu sein

Denn wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind und nicht wissen, dass eine Virusmutation im Umlauf ist, ist es schwer, sich dagegen zu schützen. Tödlicher scheint die britische Virusvariante nicht zu sein, nach derzeitigem Wissensstand sind damit auch keine schwereren Krankheitsverläufe verbunden. Die deutlich erhöhte Ansteckungsgefahr kann jedoch zu mehr Infektions-Fällen und damit zur Belastung des Gesundheitssystems führen.

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Beispiel Großbritannien: Guter Plan greift

Aber besteht dadurch auch die Gefahr einer dritten Welle? Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs sagt: "Danach sieht es nicht aus, obwohl sich die Variante ja schon in einigen Ländern ziemlich stark durchgesetzt hat, auch weltweit sieht man das nicht." Um die Virusmutation in den Griff zu bekommen, braucht es einen guten Plan, wie das Beispiel Großbritannien zeigt, wo die Briten-Variante extrem weit verbreitet ist. Durch die Mutation kam es zwar erst zu einem starken Anstieg des Sieben-Tage-Schnitts der Neuinfektionen – seit Mitte Januar fällt die Kurve aber wieder ebenso rasant ab. Grund: Konsequente Umsetzung der Coronamaßnahmen und der Astrazeneca-Impfstoff. "Millionen Menschen sind dort ohne Probleme geimpft worden", erklärt Hygieniker Zinn, "und da sehen wir, dass die Krankenhausaufenthalte zurückgehen."

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Mehr Mutationen aus ärmeren Ländern

Mit ausreichenden Hygienemaßnahmen sowie Corona-Tests und Impfungen sollten die Virusmutationen auch in Deutschland unter Kontrolle gehalten werden können. Ärmere Länder haben es da deutlich schwerer. Denn dort fehlt es vor allem an Impfstoff. "Dann könnte sich das Virus dort weiter entwickeln und noch stärkere Varianten hervorbringe, die dann irgendwann wieder nach Europa zurückkommen können", warnt Epidemiologe Ulrichs.

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