Muss man unter Freunden teilen? Schräger Prozess um Kronkorken-Gewinn

14. Februar 2017 - 17:29 Uhr

"So etwas haben wir noch nicht gehabt"

Das ist wahrscheinlich einer der schrägsten Prozesse des Jahres: Ein junger Mann aus dem sauerländischen Schmallenberg gewinnt bei einem Kronkorken-Gewinnspiel ein Auto. So weit, so gut. Den Kronkorken fand er allerdings unter achtlos auf einen Tisch geworfenen Verschlüssen der gemeinsam geleerten Bierflaschen auf einem Wochenend-Trip seiner Clique. Weil sie die zwei Kästen Bier gemeinsam bezahlt hatten, erhebt eine Frau aus der Gruppe eigene Ansprüche auf den Wagen. Das Landgericht in Arnsberg verhandelt den kuriosen Fall.

Ein Kronkorken aus einer Gewinnaktion
So sieht der Kronkorken mit dem Gewinn aus, um den es im Prozess geht,
© dpa, -, mg wok

"So etwas haben wir noch nicht gehabt", sagt Gerichtssprecher Johannes Kamp. Es sei ein idealer Fall, um ihn Jurastudenten in einer Prüfung vorzusetzen. Denn die Rechtslage erscheint äußerst verzwickt. Während vier der Wochenend-Ausflügler mit dem Motorrad anreisten, kaufte der fünfte mit dem Auto an einer Tankstelle zwei Kästen Bier.

Der beklagte Mann hatte den gewinnbringenden Kronkorken bei dem Wochenendausflug aus den achtlos weggeworfenen Verschlüssen herausgefischt. Von der Brauerei erhielt er dafür das Auto. Die Richter müssen klären, ob ihm der gewonnene Audi A3 wirklich zusteht.

Vergleich um den Gewinn ist gescheitert

Die Flasche habe zwar ein anderer Mitfahrer für ihn geöffnet, aber für ihn sei klar gewesen: Das ist sein Gewinn. Nach Auskunft des Gerichtes schildert er auch, dass den anderen dies wohl ebenso klar gewesen sei. "Es habe keine gemeinsame Freude gegeben. Vielmehr sei der gemeinsame Umtrunk am Abend nicht mehr gemütlich, sondern sehr schnell beendet gewesen, weil seine Mitfahrer offensichtlich neidisch auf den Gewinn gewesen wären", zitierte ein Gerichtssprecher aus der Argumentation des Beklagten.

Das sieht eine Mitfahrerin anders: Sie fordert vor Gericht ein Fünftel des Gewinns und klagt auf 5.736 Euro. Ihr Argument: Die Freunde hätten vor der Fahrt faktisch eine gemeinsame Gesellschaft bürgerlichen Rechts gebildet, und zwar "mit dem Zweck eines Umtrunkes". Schließlich habe man vereinbart, sämtliche Kosten zu teilen. Deshalb müsse auch der Gewinn geteilt werden.

Die streitenden Parteien lehnten einen Vergleichsvorschlag zu dem gewonnenen Auto ab. Vor Gericht schlugen die Richter vor, den Betrag für das für 17.500 Euro weiterverkaufte Auto einfach durch die Anzahl der Freunde zu teilen. Der klagenden Freundin ist das aber zu wenig, weil für sie nicht der Listenpreis des Autos maßgeblich ist, sondern der Wert bei Auslieferung, der um ein Vielfaches höher gewesen sei. Der Gewinner hatte den Wagen bereits 12.000 Kilometer gefahren und mit deutlichem Wertverlust verkauft.

Auch der Angeklagte lehnte den Vorschlag für den Vergleich ab. Dabei ließ die Kammer durchblicken, in welche Richtung die Entscheidung gehen könnte: "Das Zivilgericht hat deutlich gemacht, dass es Erfolgsaussichten für die Klage sieht", sagte Gerichtssprecher Johannes Kamp. Nach der Akteneinsicht spreche viel dafür, dass der Wagen nicht nur einem der Freunde gehöre, sondern allen. Nun will das Landgericht am 2. März eine Entscheidung verkünden.