Muss Julian Assange Ecuadors Botschaft in London verlassen?

© dpa, Constantin Eckner, sab tba cul jhe nwi

22. Juli 2018 - 11:43 Uhr

Kein Asyl mehr für Julian Assange in London

Seit nunmehr sechs Jahren lebt "Wikileaks"-Gründer Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London. Einem Medienbericht zufolge hat Ecuadors Präsident Lenin Moreno jetzt vor, Assange das Asyl entziehen und den britischen Behörden zu übergeben.

Flucht in die ecuadorianische Botschaft

Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald schreibt auf der Seite "The Intercept" über das mögliche Vorhaben des ecuadorianischen Präsidenten. Demnach soll es schon in der Vergangenheit Spannungen zwischen Julian Assange und der Regierung Ecuadors gegeben haben. Er war in die Botschaft geflohen, um einer Festnahme und Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Ermittlungen wurden inzwischen aber fallengelassen. Die britischen Behörden erklärten immer wieder, Assange beim Verlassen der Botschaft festzunehmen – weil er durch Flucht in die Landesvertretung das Gesetz verletzt habe.

Wird Julian Assange in die USA ausgeliefert?

Sollte es tatsächlich zu einem Asyl-Entzug und einer Verhaftung durch britische Behörden kommen, könnte auch die Auslieferung in die USA folgen. Washington macht Julian Assange nämlich für die Veröffentlichung brisanter US-Dokumente aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak über die "Wikileaks"-Plattform verantwortlich. Außerdem veröffentlichte das Portal im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf von mutmaßlich russischen Hackern gestohlene Mails. US-Justizminister Jeff Sessions bekräftigte vor kurzem die Vorwürfe gegen Assange. Trotzdem ist unklar, ob die USA eine Auslieferung forcieren würden – und wie die Erfolgsaussichten überhaupt stünden. Denn US-Medien haben sich in den letzten Jahren große Freiheiten erkämpft, wenn es um das Veröffentlichen von geheimen Dokumenten geht