Muslimische Parallelgesellschaft in England - "Vielleicht sieht es in Deutschland bald ähnlich aus!"

18. Januar 2017 - 15:31 Uhr

In Blackburn geben Muslime den Ton an

Es ist eine Art Parallelgesellschaft mitten in einer englischen Stadt: In einigen Vierteln in Blackburn leben bis zu 95 Prozent Muslime. Sie sind beruflich erfolgreich, sorgen mit ihren Geschäften für Jobs. Aber: Immer wieder kommt es zu Konflikten mit englischen Mitbürgern. Diese fühlen sich ausgegrenzt, weil die Muslime in ihrer eigenen Gemeinschaft leben. RTL-Reporter Ulrich Oppold hat die Stadt im Nordwesten Englands besucht.

Eigentlich ist Blackburn eine unauffällige Stadt. Etwas mehr als 100.000 Einwohner leben hier, im Grunde nichts Besonders. Doch in der Stadt brodelt ein unterschwelliger Konflikt. Es gibt mehr als 52 Moscheen, in einigen Stadtteilen leben mehr als 95 Prozent Muslime, in Schulklassen sind bis zu 90 Prozent muslimische Kinder. Obwohl viele von ihnen beruflich sehr erfolgreich sind und die Wirtschaft der Stadt ankurbeln, werden sie von ihren englischen Mitbürgern kritisch beäugt.

Das liegt auch an einigen Extremisten, die in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Im Mai 2016 veröffentlichte die sogenannte Blackburn Muslim Association (MCB) ein aufsehenerregendes Schreiben. Darin werden muslimischen Frauen und Männern Tipps gegeben, wie sie sich im Alltag verhalten. Über soziale Medien schreibt die MCB etwa: "Facebook hat die Türen der Sünde geöffnet. Muslimische Mädchen und Frauen gleichermaßen sind Beute dieses Übels geworden."

Viele Engländer fühlen sich in ihrer Stadt fremd

RTL-Reporter Ulrich Oppold hat bei seinem Besuch in Blackburn gespürt, dass in der englischen Stadt eine Parallelgesellschaft entsteht, die auch Konflikte birgt. Er sagt: "Wir erleben hier eine tief gespaltene Gesellschaft. Viele Muslime leben in einer anderen Welt mit strengen religiösen Vorschriften." Die Folge: Viele Engländer fühlen sich in ihrer eigenen Stadt fremd. Das Misstrauen gegenüber den muslimischen Mitbürgern wächst, viele ziehen weg.

Es gibt aber auch die, die versöhnen wollen. Zum Beispiel die Hilfs-Lehrerin Seylah. Die Muslima erklärt RTL-Mann Oppold: "Es wäre besser, wenn wir auf beiden Seiten etwas toleranter werden. Auch wir Muslime müssen noch offener werden." Das sehen andere Menschen aus Blackburn ähnlich. Die Fahrlehrerin Salma Patel fügt beispielsweise hinzu: "Vielleicht sieht es in Deutschland bald ähnlich aus. Lasst die Muslime lernen, ihre Religion ausüben und ihre Kultur ins Land bringen. Dann funktioniert das."