11. Juli 2019 - 14:07 Uhr

Handyverbot auf Konzerten: Gut oder schlecht?

Es gibt kaum noch Konzerte auf denen keine Handy-Massen zu sehen sind: Fotos machen, Videos drehen und Storys posten gehören mittlerweile zu Konzerten, genauso wie der Musiker selbst. Aber schenkt man dem Künstler und seiner Musik dann noch die berechtigte Aufmerksamkeit? Viele Sänger und Sängerinnen sind jetzt genervt und sprechen sich für ein Handyverbot auf ihren Konzerten aus.

Drei Viertel aller Konzertbesucher sind von Handys genervt

Laut einer repräsentativen Studie mit 1.000 Menschen zum Thema "Smartphone-Nutzung auf Events – Live-Killer oder Live-Turbo?" von der Plattform "Eventbride", waren über 70 Prozent der Befragten genervt von anderen Besuchern, die auf Konzerten ständig Fotos machen und filmen.

40 Prozent der Befragten finden sogar, dass während eines Auftritts überhaupt keine Videos oder Bilder aufgenommen werden sollten. Allerdings gab jeder Zweite der Befragten auch an, dass sie selbst Fotos und Videos auf Konzerten machen. Eins steht fest: Nicht nur viele Besucher sind genervt, sondern vor allem die Künstler.

Diese Künstler nervt der Handy-Wahn auf ihren Konzerten

Sängerin Pink hat erst kürzlich in einem Interview gesagt, dass sie keine Lust mehr auf Konzertbesucher hat, die ihre Show nur auf dem Bildschirm verfolgen. Die 38-jährige wünscht sich, dass die Leute mehr echte Gefühle zulassen und die Musik fühlen.

Und auch deutsche Künstler sind genervt vom Handy-Wahn: Die Band Annenmaykantereit hat da eine Lösung gefunden: Ihr Song "Du bist überall" ist auf keinem Studio-Album, dennoch spielen sie die Single auf jeden ihrer Konzerte. Vorher fordert Sänger Henning das Publikum dazu auf, das Handy wegzulegen. Im Song singt er dann Klartext:

 "Das hört sich jetzt erst mal komisch an. Aber es ist kein schönes Gefühl, bei 'nem Liebeslied die ganze Zeit mit einem Handy gefilmt zu werden. Den Scheiß guckst du dir eh nie wieder an. Und jetzt mal ganz im Ernst, wenn du die ganze Zeit so dastehst, der Typ hinter dir sieht überhaupt nichts und fuckt sich heimlich ab."

Ein klares Handyverbot gibt es schon bei diesen Künstlern

Die Toten Hosen haben für ihre kommenden Konzerte sogar ein komplettes Handyverbot angekündigt. Ihr Akustik-Konzert im Juli 2019 in der Düsseldorfer Tonhalle steht unter dem Motto "Mit Pauken & Trompeten – Ein Abend mit alten und neuen Liedern ohne Strom". Handys, Fotoapparate und dergleichen dürfen nicht mitgenommen werden. Wer eins dabei hat, muss es "in vor Ort angebotenen, verschlusssicheren Behältern während der Dauer der Veranstaltung" hinterlegen, wie die Hosen auf ihrer Homepage ankündigen.

Sängerin Alicia Keys lässt schon seit einiger Zeit die Smartphones ihrer Besucher am Eingang versigeln. Die Handys werden in verschließbaren Taschen verpackt, die dann nur an speziellen "Unlock-Stationen" außerhalb des Konzertsaals geöffnet werden können.

Weniger filmen, mehr genießen!

Das strikte Handy-Verbot ist natürlich hart, denn viele Besucher wollen die Erinnerungen speichern. Aber ein Konzertsaal voll mit Handys ist für den Sänger nicht immer schön. Vielleicht können Künstler und Besucher ein Mittelmaß finden: Nur ein bisschen filmen, dafür umso mehr genießen.