2. Juli 2019 - 14:10 Uhr

Dem Architekten Thilo Schoder (1888-1979) und dessen Kollegen in Gera widmet sich die Ausstellung "Bauten der Moderne", die von diesem Mittwoch an im Museum für Angewandte Kunst gezeigt wird. "In keiner anderen Stadt in Thüringen prägen so viele Bauten der Moderne das Stadtbild wie hier", sagte Kuratorin Doris Weilandt bei der Vorstellung der Schau. Gezeigt werden neben zahlreichen Fotos auch Gebäudemodelle sowie Glas, Porzellan und Keramik, die von Schoder gestaltet wurden. Erstmals präsentiert wird eine von dem Architekten entworfene Küche, die ebenfalls zum gezeigten Gesamtbild der Reformideen der 1920er Jahre beiträgt.

Dass es in der ostthüringischen Metropole so viele Beispiele der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts gibt, ist laut Weilandt eine Folge der wirtschaftlichen Entwicklung, die die Stadt damals nahm. Vor allem die Textilindustrie gehörte zu den Motoren der Wirtschaft. "Gera war damals eine der reichsten Städte Thüringens", erklärte die Kuratorin. Und so bekamen Architekten dort lukrative Aufträge.

Schoder war ein Meisterschüler des Bauhaus-Wegbereiters Henry van de Velde (1863-1957). Wie dieser habe er seine Bauten als Gesamtkunstwerke betrachtet, bei der die Innenarchitektur ebenso wichtig war wie die äußere Hülle. Zahlreiche Wohnhäuser und einige stilbildende Fabrikgebäude in Gera stammten aus seiner Feder. Die immer größere Macht der Nationalsozialisten Anfang der 1930er Jahre führte dazu, dass Schoder immer weniger Aufträge bekam. Er emigrierte nach Norwegen, wo er einige Ideen wieder aufgriff, die er bereits in Gera entwickelt hatte wie sein als Experimentalbau enstandenes Holzhaus, dessen Formen sich später in Norwegen wiederfanden.

Quelle: DPA