Verrücktes Geschlechterklischee kommt diese Eltern teuer zu stehen

Tausende Euro umsonst ausgegeben: Diese Mütter haben Babykleidung in "falscher" Farbe gekauft

Babykleidung
© iStockphoto, SbytovaMN

13. November 2020 - 9:43 Uhr

Große Überraschung im Kreißsaal

Die Ärzte waren sich so sicher: Beiden Frauen wurde nach mehreren Ultraschalluntersuchungen versichert, dass sie einen Jungen bzw. ein Mädchen erwarten würden. Voller Vorfreude auf den Familienzuwachs gaben sie ihr ganzes Erspartes für die "richtige" Baby-Kleidung aus – um am Ende dann ihr blaues, oder auch ein rosa Wunder zu erleben.

Die Ärzte sagten Mollie, sie würde einen kleinen Jungen erwarten

Das Kinderzimmer war voller blauer Babykleidung, Fläschchen und Schnuller: "Ich hatte einen weißen Strampler, alles andere war blau", schildert die 21-Jährige Mollie Humble die Vorfreude auf ihren Sohn. Wie das britische Nachrichtenmagazin "The Sun" berichtete, ließ die werdende Mutter aus Hartlepool sogar eine Decke mit dem Namen ihres Babys besticken - Roman sollte ihr Sohn heißen. Kostenpunkt insgesamt: 1.400 Euro. Bedenken hatte sie keine. Schließlich haben ihr die Ärzte gleich zwei mal versichert: Es wird ein Junge! Also gab es, wie es in Großbritannien typisch ist, auch eine große Gender-Reveal-Party - mit allem, was dazugehört: Blaues Konfetti, blaue Luftballons und selbstverständlich gab es eine Menge Geschenke - in blau, versteht sich.

Mollie Humble
Die Eltern erwarteten ein Mädchen - und bekamen einen Jungen
© privat, Mollie Humble

Chantelle wollte ihre Tochter nach ihrer Großmutter benennen

Auch Chantelle Lindsay, aus dem nur knapp 50 Kilometer entfernten Newcastle upon Tyne, war voller Vorfreude auf ihr Baby. Als die Ärzte ihr das Geschlecht verrieten war für die werdende Mutter sofort klar: Die Tochter soll nach ihrer verstorbenen Oma Lettie benannt werden. "Meine Oma starb kurz vor unserer Heirat, und ich war damals am Boden zerstört", beschreibt die 32-Jährige den emotionalen Schicksalsschlag.

Baby-Party
Auf ihrer Baby-Party wurde Chantelle mit Mädchen-Geschenken überhäuft. Sogar Uggs in Rosa waren dabei.
© Privat, Chantelle Lindsay

Besonders verrückt: Auch bei den fünf darauf folgenden Ultraschalluntersuchungen - sogar eine 4D-Ultraschalluntersuchung war dabei - änderten die Ärzte ihre Meinung nicht. Rund 2.300 Euro gaben die werdenden Eltern laut dem Nachrichtenmagazin "Mirror" für die rosafarbende Babykleidung und Ausstattung aus. Auch die Wände im neuen Kinderzimmer wurden selbstverständlich in Rosa gestrichen. 

+++ ​Lesen Sie hier: Wie sicher ist eine Geschlechtsbestimmung per Ultraschall wirklich? +++

Erst die Hebamme machte Mollie auf den Irrtum aufmerksam

Als Mollie ihr Baby zur Welt brachte dauerte es eine Zeit lang, bis sie realisierte, dass sie nicht einen Sohn, sondern ihre Tochter im Arm hielt: "Als das Baby geboren wurde sagte ich 'Hallo Roman' und küsste es. Ich hatte das Baby etwa 15 Minuten lang auf meiner Brust, bevor die Hebamme mich fragte, ob ich überprüft hatte, ob es sich bei dem Baby auch wirklich um einen Jungen handelt". Sie schüttelte den Kopf, schaute nach und stellte zur Überraschung aller fest, dass sie ein kleines Mädchen geboren hatte. Für die junge Mutter zunächst ein Schock: "Ich bin die Hälfte meiner Schwangerschaft davon ausgegangen, einen kleinen Jungen zu bekommen. Ich liebte meine Tochter vom ersten Moment an, aber es war zunächst schwierig, mich umzustellen." Glücklicherweise fand die Familie schnell einen neuen Namen und tauften Roman kurzerhand in Layla-Rose um.

+++ Alles rund um das Thema Baby auf RTL.de lesen Sie hier +++

Chantelle brachte ihr Baby per Notkaiserschnitt zur Welt

Als ihr Arzt ihr mitteilte, dass sie einen Sohn zur Welt gebracht hat, hielt sie es zunächst für einen schlechten Scherz: "Der Chirurg hielt unser Freudenbündel in der Hand und bat mich, einen Mütze auszusuchen. Ich habe mich für rosa entschieden. Dann sagte der Chirurg: 'Haben Sie den Namen eines Jungen? Ich dachte wirklich, er verarscht mich."

Frankie
Baby Frankie überraschte seine ganze Familie
© privat, Chantelle Lindsay

Doch Tatsache: Zur Welt kam nicht eine kleine Lettie, sondern ein Frankie. Für die junge Mutter änderte dieser Irrtum rein gar nichts an ihren Muttergefühlen. Trotzdem hat sie aus dieser Geschichte gelernt: "Ich hätte mir kein schöneres Kind wünschen können. Aber ich glaube nicht, dass ich nochmal wissen wollen würde, welches Geschlecht mein Baby hat." 

Rosa als die Farbe für Mädchen - das war nicht immer so

Egal ob wir Babykleidung, Spielzeug oder ein Ü-Ei kaufen: Blau ist für die Jungs, Rosa oder Pink für die Mädchen. Doch ursprünglich - um genau zu sein bis in die 1940er Jahre - war es genau umgekehrt. Rosa war für die Jungen, Blau für die Mädchen vorgesehen. Warum sich das Geschlechterklischee gewandelt hat ist nicht an einem konkreten Fall festzumachen. Fest steht allerdings: Vor allem die Werbung für Süßigkeiten und Spielzeug trichtert uns immer wieder ein Farben-Klischee ein.