Köln: Müssen die Auenweg-Raser nun doch ins Gefängnis?

Revisionsprozess um illegales Autorennen in Köln

Kommen die Männer, die für den Tod einer Radfahrerin bei einem illegalen Autorennen in Köln verantwortlich sind, doch noch ins Gefängnis? Das Kölner Landgericht hatte die beiden 24 und 25 Jahre alten Männer 2016 zu zwei Jahren sowie einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) allerdings hielt die Strafaussetzung zur Bewährung nicht für angemessen und hob das Urteil teilweise auf.

Angeklagte entschuldigen sich bei Angehörigen der getöteten Radfahrerin

Zu Beginn des Revisionsprozesses entschuldigten sich die beiden Angeklagten und räumten erneut ein, verantwortlich für den Tod der jungen Studentin zu sein. Die türkischstämmigen Männer hatten sich im April 2015 ein Autorennen auf dem Auenweg in Köln-Deutz geliefert. Dabei verlor einer von ihnen verlor die Kontrolle über seinen Wagen und rammte die Radfahrerin, die an den Folgen des Unfalls starb. "Ich bitte Sie vielmals um Verzeihung für das, was ich Ihnen und Ihrer Familie angetan habe", sagte einer der Angeklagten in Richtung der Eltern und des Bruders des Opfers, die den Prozess als Nebenkläger verfolgen.

Sind die Bewährungsstrafen für die Auenweg-Raser gerecht?

In der Neuauflage des Prozesses geht es ausschließlich um die Frage, ob die 2016 verhängten Haftstrafen für die Todesraser von Köln von zwei Jahren sowie einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung ausgesetzt werden können. Nach Auffassung des BGH haben die Kölner Richter bei ihrem Urteil nicht berücksichtigt, wie sich die Bewährungsstrafen auf das allgemeine Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirken. Zudem hätten sie nicht beachtet, dass die beiden Männer den Unfall mit ihrer aggressiven Fahrweise vorsätzlich herbeigeführt hätten. Die Höhe der Freiheitsstrafen und die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung beanstandete der BGH hingegen nicht.

Rechtsanwalt Nikolaos Gazeas, der im Revisionsprozess die Eltern der getöteten Studentin vertritt, fordert Freiheitsstrafen ohne Bewährung: "Die milden Bewährungsstrafen sind ein Schlag ins Gesicht für die Eltern und den Bruder von Miriam gewesen, sie haben aber auch das Vertrauen der Bevölkerung in eine gerechte Justiz massiv erschüttert", sagte Gazeas dem 'Kölner Stadt-Anzeiger'. "Mit einer gerechten Strafe, wie das Gesetz sie verlangt, hat das nichts mehr zu tun."

Ursprünglich war der Revisionsprozess für Dezember geplant. Der erste Verhandlungstag hatte ein schnelles Ende, weil sich herausstellte, dass ein Schöffe befangen sein könnte. Für die Neuauflage sind drei Verhandlungstage angesetzt.