Münchner Oma wollte kleine Rente mit Flaschensammeln aufbessern – jetzt ist sie vorbestraft

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22. September 2017 - 10:36 Uhr

Die Rentnerin muss 2.000 Euro Bußgeld wegen Flaschensammelns bezahlen

Der 76-jährigen Anna Leeb aus München reicht die Rente nicht zum Leben. Sie möchte sich etwas dazu verdienen und sammelt daher seit Jahren Pfandflaschen rund um den Hauptbahnhof. Eine beschwerliche Arbeit, zumal die Rentnerin wegen ihrer Hüftbeschwerden mit einem Rollator unterwegs ist. Eine kleine Abkürzung hatte für Anna Leeb jetzt große Konsequenzen: Sie wurde zu 2.000 Euro Geldstrafe wegen Hausfriedensbruch verurteilt.

"Mit dem Rollator aus dem Hauptbahnhof gezerrt"

Weil Anna Leeb Schmerzen beim Gehen hat, will sie auf dem Weg durch die Stadt durch den Hauptbahnhof abkürzen. Dort sammelt sie schnell noch eine leere Bierflasche ein – und wird von Sicherheitsmitarbeitern abgefangen. "Ich bin mit meinem Rollator durch die Bahnhofshalle, kam grad aus dem Krankenhaus, und dann hielten mich die zwei Männer der Bahn auf, haben mich am Arm gepackt, mit dem Rollator aus dem Hauptbahnhof gezerrt, und die Bierflasche musste ich wieder reinwerfen", erzählt die Rentnerin der Tageszeitung 'tz'.

Das Problem: Sie hat seit knapp zwei Jahren Hausverbot im Bahnhof. Vorher hatte die heute 76-Jährige dort lange Flaschen gesammelt, um ihre Rente aufzubessern. Das wurde ihr dann von zwei Bahn-Mitarbeitern verboten, genauso wie der Zutritt zum Hauptbahnhof. Denn dort gilt die Hausordnung der Deutschen Bahn und die verbietet das Flaschensammeln.

"Die eigentlichen Verbrecher in München finden sie nicht", meint die Flaschensammlerin

Unglücklicherweise sind es dieselben zwei Mitarbeiter von damals, die sie nun in der Bahnhofshalle abfangen. Für die Rentnerin hat das schlimme Konsequenzen: Gegen sie läuft ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs, sie soll eine Geldstrafe von 2.000 Euro bezahlen und gilt als vorbestraft. "Die eigentlichen Verbrecher in München finden sie nicht, dann müssen sie jemanden wie mich rupfen", so Anna Leeb zur 'tz'.

Ein Bahn-Sprecher rechtfertigt sich: "Wenn in den Abfallbehältern rumgewühlt wird, dann fällt eine Menge daneben. Sauberkeit ist für unsere Kunden ein wichtiger Punkt. Es geht nicht, dass ein Mülleimer durcheinandergebracht wird."

Für Anna Leeb ist ein wichtiger Punkt zunächst einmal, genug Geld zum Leben in der teuren Großstadt München zu haben. Doch jetzt ist die Rentnerin erst einmal um 2.000 Euro ärmer.