Münchner Last-Minute-Transfers: Volltreffer mit einer Ausnahme

Entwickelten sich nach ihren Last-Minute-Transfers zu Leistungsträgern in München: Mark van Bommel und Roy Makaay.
© dpa, A3483 Matthias Schrader

27. Dezember 2014 - 12:29 Uhr

Mit der Verpflichtung des Marokkaners Mehdi Benatia vom AS Rom hat der FC Bayern die Lücke nach dem Kreuzbandriss von Javi Martinez im Kader geschlossen. Ursprünglich spielte der 1,91 Meter große Innenverteidiger in den Transferüberlegungen der Münchner für diesen Sommer zwar keine Rolle. Trotzdem überweist der Meister kolportierte 26 Millionen Euro plus zusätzliche 4 Mio. an Bonus-Zahlungen für Benatia nach Rom. Nicht aus Panik vor einer dünnen Personaldecke, sondern weil der Abwehrmann qualitativ in das FCB-Ensemble passt, wie die Bosse betonen. Dass sich Last-Minute-Transfers in München durchaus zu prägenden Persönlichkeiten entwickeln können, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Roy Makaay

Das 'Phantom', wie der Torjäger in seiner Zeit bei den Bayern in Anlehnung an seine unauffällige aber effektive Spielweise genannt wird, wechselt im August 2003 nach München und entwickelt sich zu einem Top-Stürmer. Lange verhandeln die FCB-Bosse mit Makaays Ex-Club Deportivo La Coruna über die Ablöse. Am Ende transferieren die Spanier Makaay für die damalige FCB-Rekordablöse von 19,5 Millionen Euro in die Bundesliga. Ein Volltreffer für die Bayern: Makaay bleibt 4 Jahre, läuft 183 Mal für den Verein auf und erzielt 103 Treffer.

Mark van Bommel

Drei Jahre nach dem Makaay-Deal suchen die Bayern im Sommer kurz vor Transferschluss noch einen Abräumer fürs Mittelfeld und werden in Barcelona fündig. Dort steht ein gewisser Mark van Bommel auf dem Abstellgleis und sucht in München eine neue Herausforderung. Ende August lassen sich die Münchner den defensiven Mittelfeldspieler 6 Millionen Euro kosten, van Bommel avanciert mit seiner harten und mitreißenden Art zum 'Aggressiv Leader' und späteren Kapitän. In 187 Spielen steht der Holländer für den FCB auf dem Platz, unter seiner Regie holen die Münchner je zweimal die Meisterschaft und den Pokal.

Arjen Robben

Auch bei einem anderen Holländer schlagen die Bayern in letzter Sekunde zu. Der damals 25-jährige Arjen Robben ist nach zwei Spielzeiten bei den 'Galaktischen' von Real Madrid nicht mehr erwünscht in der spanischen Hauptstadt, obwohl er zuvor in 65 Einsätzen für Real meist überzeugen konnte. Seine Verletzungsanfälligkeit bringt die Madrider Bosse ins Grübeln. Die Bayern gehen das Risiko mit dem talentierten Offensivspieler ein und lotsen Robben in die Bundesliga. 24 Millionen Euro Ablöse fließen nach Spanien. Der Rest ist bekannt. Zwar ist die Geschichte des Arjen Robben auch in München nicht frei von Verletzungen und tragischen Momenten. Doch nicht zuletzt dank seines entscheidenden Tores im Champions-League-Finale 2013 genießt er mittlerweile Heldenstatus im Süden der Bundesrepublik.

Last-Minute-Einkauf Anfang 2006 wurde zum Flop

Javi Martinez FC Bayern
Kam kurz vor Transferschluss 2012 zum FCB: Javi Martinez
© Getty Images/Bongarts

Luiz Gustavo

Zwar hat Luiz Gustavo dieses Gefühl von Heldenstatus in seinen zweieinhalb Jahren bei den Bayern wohl nie wirklich verspürt. Gehörig Respekt hat sich der heutige Wolfsburger mit seiner leidenschaftlichen, mannschaftsdienlichen Spielweise im Münchner Mittelfeld aber verschafft, nachdem er im Januar 2011 aus Hof fenheim den Schritt zum FCB gewagt hatte. 17 Millionen Euro ist den Bayern-Bossen der Transfer des Brasilianers wert, der so gar nicht brasilianisch daherkommt. Trotzdem wollen sie nicht bis zum Sommer warten, um Gustavo ablösefrei zu bekommen. Der Profi zahlt das Vertrauen zurück.

Javi Martinez

Kaum ein Transfer zieht sich so lange hin, wie der von Javi Martinez. Der 40-Millionen-Euro-Mann steht in Diensten der Basken von Athletic Bilbao, als die Münchner ein Auge auf ihn werfen. Und der Primera-Division-Club versucht alles, um seinen besten Spieler so gut wie möglich von einem Wechsel abzubringen – trotz der festgeschriebenen Ablöse. Letztlich geht der Wechsel trotzdem über die Bühne – zwei Tage vor Ablauf der Transferfrist. Der Balast der Ablöse ist riesig für den jungen Spanier, der erstmals im Ausland bei einem großen Club den nächsten Schritt seiner Karriere gehen will. Doch Martinez hält dem Druck stand und integriert sich schnell. Als kongenialer Partner von Bastian Schweinsteiger auf der Doppelsechs gewinnt er in seinem ersten Jahr das Triple. Unter Pep Guardiola kommt Martinez im vergangenen Jahr nicht zuletzt aufgrund von Verletzungen seltener zum Zug. Bevor sich Martinez im Supercup gegen Borussia Dortmund das Kreuzband reißt, plant ihn der Coach für die neue Saison als Chef der Dreierkette ein.

Julio Dos Santos

Dass ein Last-Minute-Transfer auch daneben gehen kann, merken die Bayern im Fall Julio Dos Santos. Im Januar 2006 suchen die Verantwortlichen nach neuer Kreativität im Spiel der Münchner und stoßen in Paraguay beim Club Cerro Porteno auf den zentralen Mittelfeldspieler. Für 2,7 Millionen Euro wagen die Münchner das Experiment mit dem damals 22-Jährigen, den zu der Zeit auch andere europäische Clubs ins Visier genommen haben. Allerdings findet sich Dos Santos in München nie zurecht, kommt nur auf 10 Einsätze im A-Team und wird ein Jahr später zum VfL Wolfsburg und später in die Primera Division zu UD Almeria sowie zum brasilianischen Club Porto Alegre verliehen, ehe er ablösefrei bei Atletico Paranense unterkommt. Und Benatia?