München: Zustand der angeschossenen Polizistin unverändert schlecht

14. Juni 2017 - 15:29 Uhr

Täter schweigt zur Tat

Der Schütze vom S-Bahnhof Unterföhrung hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 37-Jährige hatte am Dienstag bei einer Polizeikontrolle einem Beamten die Waffe entrissen und dessen Kollegin in den Kopf geschossen. Die Verletzungen der 26-Jährigen seien nach wie vor lebensbedrohlich, sagte der Präsident des Münchener Polizeipräsidiums Hubertus Andrä. Angehörige und Kollegen der jungen Frau würden im Moment umfangreich betreut. Der genaue Tathergang muss jetzt noch geklärt werden, so Andrä.

Schütze schon in der S-Bahn auffällig

Der 37-Jährige Schütze hatte wohl bisher bei seinem Vater in den USA gelebt und zuletzt eine Europareise unternommen. Am 12. Juni sei er aus Athen gekommen und in München gelandet. Die Nacht habe er am Flughafen verbracht. Zeugen berichteten, er hätte sich in der S-Bahn Richtung Münchenener Innenstadt schon auffällig benommen. 

Einen zusteigenden Fahrgast habe er dann plötzlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Fahrgäste griffen ein und hielten den Mann fest. Die Polizei wurde daraufhin zu einer Routinekontrolle herbeigerufen. Bereits in den USA soll der Mann wegen verschiedener Vergehen strafrechtlich auffällig gewesen sein. Laut Andrä gibt es Kontakt zu den US-Behörden.

Mann schoss Polizistin in den Kopf

Laut Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins wurde eine Streife wegen eines Streits zum Bahnhof gerufen. Einer der Beteiligten versuchte, einen Polizisten ins Gleisbett zu schubsen. Das konnte der Beamte zwar verhindern, der Mann konnte dabei aber an die Waffe des Polizisten gelangen und schoss seiner 26-jährigen Kollegin in den Kopf. "Die Situation war nicht nur ein Handgemenge, sondern tatsächlich ein heftiger Kampf", sagte Polizeipräsident Andrä.

Bei dem Täter handelt es sich um einen 37-jährigen Mann aus dem Raum München. Er selbst wurde ebenfalls von Schüssen getroffen und verletzt. Über etwaige Vorstrafen oder eine kriminelle Vergangenheit war zunächst ebenso wenig bekannt wie über die Hintergründe der Tat oder ein mögliches Motiv.

Neben der Polizistin und dem Schützen wurden auch zwei unbeteiligte Personen durch Schüsse des Täters getroffen. Deren Verletzungen seien aber nicht schwer oder gar lebensbedrohlich, sagte ein Polizeisprecher. Hinweise für einen terroristischen Hintergrund gebe es bislang nicht, es wird von einem Einzeltäter ausgegangen. Die Sprecherin betonte: "Die Lage ist unter Kontrolle", der Polizeieinsatz sei inzwischen beendet.

S-Bahn-Linie 8 gesperrt

Spezialeinsatzkommandos und Hubschrauber waren im Einsatz, die Beamten sperrten den S-Bahnhof ab. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte sicherten das Gelände. Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchten den Tatort.

Über den Bahnhof Unterföhring fährt die S-Bahn-Linie 8, eine der beiden Möglichkeiten mit der Bahn zum Münchner Flughafen zu kommen. Die Strecke ist zunächst auf unbestimmte Zeit gesperrt. Fluggäste auf dem Weg zum Airport oder in die Stadt müssen auf die S1 ausweichen, die in einem anderen Bogen im Nordwesten Innenstadt und Flughafen verbindet.

Vor gut einem Jahr hatte ein Amokläufer am S-Bahnhof Grafing - ebenfalls im Münchner Speckgürtel gelegen - einen Menschen getötet und drei verletzt. Der zur Tatzeit 27-Jährige gilt als psychisch krank und daher als schuldunfähig. Ein Prozess wurde ihm bislang nicht gemacht. Der aus dem hessischen Grünberg bei Gießen stammende Mann hatte am frühen Morgen des 10. Mai 2016 wild um sich gestochen.