Jugendliche Opfer hatten keine Chance

Vorbestrafter Todes-Raser fuhr mit bis zu 120 km/h über zwei rote Ampeln

Zwei Jugendliche von Auto angefahren
© dpa, Sven Hoppe, shp fdt

18. November 2019 - 12:30 Uhr

München: Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltscahft

Polizei und Staatsanwaltschaft haben auf einer Pressekonferenz Details zum Fall des Todes-Rasers von München bekannt gegeben. Der getötete 14-Jährige und das verletzte Mädchen hatten keine Chance, dem Zusammenstoß zu entkommen, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Anne Leiding. Den Angaben zufolge raste der BMW-Fahrer mit bis zu 120 km/h entgegen der Fahrtrichtung durch die Innenstadt. Bei seiner Flucht vor der Polizei soll er mindestens zwei rote Ampeln überfahren haben. Die Jugendlichen sahen Victor B. demnach nicht kommen, als sie eine Fußgängerampel nutzten. Wie die Ermittler bekannt gaben, zeichnete eine Dashcam den tödlichen Unfall auf.

Verkehrsteilnehmer übergibt Polizei Aufnahmen vom Todes-Crash

Die Dashcam eines in der Gegenrichtung fahrenden Autos zeichnete auf, wie der Todes-Raser auf die Jugendlichen zuhielt. "Es ist zu sehen, wie er rast, den Jungen erfasst und die nachrückende Streife anhält und Reanimationsversuche einleitet", erklärte Josef Wimmer, Leiter des Kriminalkommissariats.

Leiding erklärte, das Filmen des Verkehrs mit einer Dashcam sei zwar eine Ordnungswidrigkeit. Polizei und Staatsanwaltschaft seien aber "sehr froh, dass es diese Aufzeichnung gibt." Die Ordnungswidrigkeit führe nicht zu einem Verwertungsverbot, so die Sprecherin. Die Aufnahmen können daher in einem Prozess genutzt werden.

Mord und dreifacher versuchter Mord - Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft geht von Vorsätzlichkeit aus und wirft dem Festgenommenen Mord an dem 14-Jährigen und drei Mordversuche vor. Neben dem verletzten Mädchen (16) wurden noch zwei Menschen verletzt, die in ihrem Auto gegen eine Litfaßsäule krachten, als sie dem Geisterfahrer auswichen.

Victor B. sitzt in Untersuchungshaft. Bei seiner Festnahme in der Nacht zu Samstag hätten die Ermittler Alkoholgeruch wahrgenommen. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung stünden noch aus, erklärte die Polizei am Montag.

Der Festgenommene wurde bereits im Mai 2016 wegen Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nach dem Crash fanden die Ermittler in seinem Auto Mariuhana. Möglicherweise sei dieser Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen ein Grund für die Flucht vor der Polizei gewesen. Der 34-Jährige macht bislang keine Aussage, so die Ermittler.