Familie sauer über Urteil vom Landgericht Hildesheim

Müllwagenfahrer überfährt elfjährige Esra - und wird zu Geldstrafe verurteilt

Prozess nach tödlichem Abbiegeunfall von Müllwagen
Prozess nach tödlichem Abbiegeunfall von Müllwagen
© dpa, Ole Spata, ole abl jol

25. Juli 2020 - 13:49 Uhr

Müllwagenfahrer tötete elfjähriges Mädchen beim Abbiegen

Im Januar 2019 überquert die elfjährige Esra eine Straße in Lehrte, als neben ihr der Müllwagenfahrer Rene H. auftaucht und rechts abbiegen will. Er übersieht Esra, sie gerät unter das Führerhaus des LKW, wird mehrere Meter mitgeschleift und stirbt später an ihren Verletzungen. Heute wurde Rene H. dafür zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Der Familie von Esra geht das nicht weit genug.

LKW-Fahrer: "Es tut mir unendlich leid"

Die Eltern und drei Brüder der getöteten Esra sitzen im Gerichtssaal noch einmal dem Mann gegenüber, der ihr kleines Mädchen überfahren hat - und der den Unfall nach eigener Aussage selbst gar nicht bemerkt hat. Rene H. wirkt sehr betroffen, er schaut starr nach unten, als würde er es nicht ertragen, den Blick in Richtung der Familie wandern zu lassen. Ein letztes Mal richtet er seine Worte an Esras Familie: "Ich kann mich nur noch Millionen Male bei Ihnen entschuldigen. Es tut mir unendlich leid."

Staatsanwältin: "Dass er es nicht gesehen hat, das glaube ich ihm"

Als die Plädoyers vorgelesen werden, weint der Angeklagte. Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Rene H. hat im falschen Moment nicht richtig hingeguckt. "Er hätte das Kind sehen müssen, dass er es nicht gesehen hat, das glaube ich ihm," so die Staatsanwältin. Den Angeklagten habe der Unfall aus der Bahn geworfen, er ist in psychologischer Betreuung und seit dem Tod der kleinen Esra berufsunfähig. Bereits beim Prozessauftakt hat er sich bei der Familie für seine Tat entschuldigt. "Ich sehe, dass er anständig ist", fährt die Staatsanwältin fort.

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Esras Eltern sehen in der Entschuldigung eine Taktik

Die Entschuldigung des Angeklagten beim Prozessauftakt kam für die Eltern jedoch zu spät – sie sehen darin ein taktisches Vorgehen des Angeklagten für eine mildere Strafe. "Ich bin sicher, es ist Fahrerflucht und er hat es gemerkt. Ich verspreche Esra, ich werde kämpfen, solange ich lebe", so der Vater im Gerichtssaal.  "Der Mensch hat mir mein Kind weggenommen, er ist der Schuldige," fährt Esras Mutter fort. Im Gericht erzählt Esras Vater auch, dass er das Grab seiner Tochter jeden Tag besucht und mit dem kleinen Mädchen spricht.

Familie verlässt vor der Urteilsverkündung den Saal

Noch bevor die Richterin das Urteil verlesen kann, verlässt Esras Familie den Gerichtssaal. Kurz zuvor hatte die Mutter des Mädchens noch gesagt: "Es ist ein Menschenleben und das ist mit Geld nicht zu ersetzen. Das ist nicht zu akzeptieren, einfach mit einer Geldstrafe davon zu kommen."