Müllwagen-Unfall in Nagold: Mildes Urteil für Fahrer

Fahrer des Müllwagens bekommt ein Jahr Haft auf Bewährung

Mildes Urteil in der Verhandlung um den tragischen Müllwagen-Unfall mit fünf Toten in Baden-Württemberg: Der Fahrer hat ein Jahr Haft auf Bewährung bekommen. Das Landgericht Tübingen verurteilte den 55-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Die Angehörigen sind entsetzt über das milde Urteil.

"Es reißt einem das Herz raus"

Angehörige der getöteten Familie zeigten sich enttäuscht und wütend über das Urteil. "Das ist wirklich Wahnsinn", so Silvano Wittmann. "Das sind fünf Kinder, die da gestorben sind. Da kann ich doch nicht sagen, ein Jahr Bewährungsstrafe und krieg' den Führerschein für zwei Jahre weg. Und dann fährt er weiter und bringt wieder welche um", zeigte sich Wittmann besonders wütend über die Tatsache, dass der Fahrer schon einmal wegen überhöhter Geschwindigkeit mit einem LKW umgekippt war. "Unser ganzes Leben ist kaputt. Wir sind seelisch am Ende. Es reißt einem das Herz raus."

Schaustellerfamilie bei Unfall in Nagold getötet

Der schreckliche Unfall ereignete sich am 11. August 2017. Ein Mülllaster kippt in Nagold im Kreis Calw in einer Kurve um und begräbt ein Auto unter sich. Alle fünf Insassen, Mitglieder einer Schaustellerfamilie, sterben: Ein junges Paar mit ihren zwei kleinen Kindern und einer Schwester. Im Müllwagen wurde der Beifahrer des 55-Jährigen verletzt. Der Angeklagte hatte im Prozess gesagt, die Bremsen hätten nicht funktioniert. Ein Gutachter konnte aber keinen technischen Defekt feststellen. Der Fahrer soll zu schnell unterwegs gewesen sein und mit rund 50 km/h in die Kurve abgebogen - nicht zum ersten Mal, wie im Prozess bekannt wurde.

Der Anwalt des Fahrers hatte sich im Prozess gegen eine Gefängingsstrafe für seinen Mandanten ausgesprochen: "Der Angeklagte ist keinesfalls ein Krimineller, der weggeschlossen werden muss, sondern ist selbst Opfer seiner Tat", sagte Thomas Weiskirchner. Der Fahrer habe bei dem Unfall einen schweren Schock erlitten und sei immer noch in ärztlicher Behandlung.