Umstrittener Vorstoß von Bundesverkehrsminister Scheuer

Experten entsetzt: Motorradfahren bald ohne Extra-Führerschein?

Motorradfahren könnte bald ohne Extra-Führerschein möglich sein (Symbolbild).
Motorradfahren könnte bald ohne Extra-Führerschein möglich sein (Symbolbild).
© imago/Future Image, Christoph Hardt, imago stock&people

21. Juni 2019 - 9:07 Uhr

Rasen ohne Extra-Lappen

Das Bundesverkehrsministerium will den Zugang zum Motorradfahren erleichtern und dafür die Fahrerlaubnis-Verordnung ändern. Das bestätigte die Behörde bei Twitter. Zuerst hatte der "Der Spiegel" über das Vorhaben berichtet. Experten sind über das Vorhaben entsetzt.

Ein paar Übergangsstunden reichen aus

18.06.2019, Bayern, München: Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister, spricht bei einem Pressestatement zur Pkw-Maut. (Zu "EuGH: Deutsche Pkw-Maut ist rechtswidrig") Foto: Sina Schuldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
© dpa, Sina Schuldt, ssd

​Autofahrer sollen künftig ohne zusätzliche Prüfung auch Leichtkrafträder bis 15 PS fahren dürfen, die immerhin über 100 km/h schnell fahren können. Lediglich ein paar Übergangsstunden und eine 90-minütige Theorieeinheit wären nötig, um an die entsprechende Fahrerlaubnis zu kommen.

Die Fahrstunden könne der Schüler sogar auf einem Verkehrsübungsplatz machen, schreibt der "Spiegel" weiter. Allerdings: Der Autofahrer muss mindestens 25 Jahre alt sein und seinen Autoführerschein seit mindestens fünf Jahren besitzen.

Experten sind entsetzt

Profitieren von der neuen Regelung könnten vor allem Sharingangebote, heißt es. Unfallexperten sind jedoch über den Vorgang besorgt und befürchten mehr Unfälle. In Österreich gilt eine solche Regelung bereits und die Erfahrungen dort hätten "zu einer deutlich erkennbaren Verschlechterung der Verkehrssicherheit beigetragen."

Deswegen sehe man "keine hinreichenden Gründe, den Zugang zur zweitgefährlichsten Fahrzeugklasse auf deutschen Straßen zu lockern", heißt es laut "Spiegel" in einer Stellungnahme des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Sogar die bundeseigene Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) rät von der Idee ab.

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Fahrlehrerverband: „Man sollte hier nichts abspecken“

motorradunfall bamberg
Zwischen Januar und November 2018 starben auf Deutschlands Straßen 699 Motorradfahrer, 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Für Dieter Quentin, den Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, ist der Gesetzentwurf "unzureichend". Er sagte auf Nachfrage von RTL.de: "Die entsprechenden Fahrstunden und die Theorieschulung reichen bei weitem nicht aus, den Bewerber wirklich sicher für Fahrten mit dem Motorrad vorzubereiten."

Er bemängelt besonders, dass Übungsfahrten auf der Landstraße fehlten, wo es besonders zu vielen Motorradunfällen komme. Quentin plädiert dafür, Übungsfahrten und die Theorieschulung umfangreicher zu gestalten. "Man sollte hier nichts abspecken, sondern den Bewerber – wie bei einer echten Motorradführerschein-Prüfung auch – hinreichend auf den Straßenverkehr vorbereiten", sagt er.

Der jüngste Vorschlag von Verkehrsminister Scheuer (CSU) ist nicht der erste, der von Experten deutlich kritisiert wird. Im Januar hatte er sich gegen ein generelles Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen ausgesprochen.

Auch Scheuers Rolle bei der Zulassung von E-Scootern wurde kritisiert.

Erst vor wenigen Tagen war mit der Pkw-Maut eines das großen Prestigeprojekt der CSU durch den Europäischen Gerichtshof gestoppt worden. Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar "Pkw-Maut: Gerechtigkeit in Europa!"