Weder Wasser noch Nahrungsmittel: Der tägliche Kampf ums Überleben in Mossul

IS hat noch nicht aufgegeben

Überall Trümmer, wohin man schaut. IS-Kämpfer tauchen wie aus dem Nichts auf und verschwinden wieder. Trotz der grausamen Zustände ist noch knapp eine halbe Million Menschen im Westen Mossuls eingeschlossen – abgeschnitten von Lebensmitteln, Strom und Medikamenten. RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados war in Mossuls unsicherster Zone - Arbeit unter Extrembedingungen.

"Sie haben alles mitgenommen und alles zerstört"

Seit Oktober läuft im Irak die Offensive zur Befreiung von Mossul. Zuvor hatte der Islamische Staat die Stadt in seiner Gewalt. Der Osten ist inzwischen befreit. Doch im Westen toben noch immer schwere Kämpfe. Mehr als 400.000 Menschen sind von dort geflohen, doch die Lage ist dramatisch. Die Geflüchteten berichteten von heftigen Bombardierungen und schweren Kämpfen. In der Stadt gebe es weder Wasser noch Nahrungsmittel oder Benzin.

Es gibt ein unterirdisches Tunnelsystem unter den Trümmern. Im Westen von Mossul versteckt sich angeblich noch die IS-Führung. Antonia Rados ist im Nationalmuseum, nur 400 Meter von der Front entfernt. Im Museum selbst sind nur noch Bilder der Zerstörung. Der Polizist, der sie und ihr Team begleitet, hat in den Kämpfen hier vor drei Wochen teilgenommen: "Sie haben alles mitgenommen und alles zerstört."

IS-Kämpfer stoßen immer wieder vor

Menschen flüchten aus Mossul um den Kämpfen zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat und der irakischen Armee zu entkommen.
Der Flüchtlingsstrom aus dem umkämpften Mossul schwillt an.
MMA**CAI** wal lof, dpa, Maya Alleruzzo

2014 hatten die Radikalen Bilder ins Netz gestellt, wie sie Tausende Jahre alte Kunstschätze im syrischen Palmyra zerstören. Laut IS waren sie dem Islam nicht angemessen. Zum Glück waren im Mossuler Nationalmuseum die kostbarsten Kunstschätze nur Kopien, die Originale sind seit Langem in Bagdad in Sicherheit.

Gut ausgerüstete IS-Kämpfer bedrängen weiter die Menschen in der Stadt, die nicht geflohen sind. Scharfschützen sind überall im Einsatz. Jede Position ist nur schwer zu halten. Nachts stoßen IS-Kämpfer immer wieder vor. Sie nehmen Polizisten als Geiseln. Daher gibt es keine Siegesstimmung.

Schiitische Milizen starteten eine neue Offensive westlich von Mossul. Ziel ist es, die Region zu sichern und Versorgungsrouten der Dschihadisten abzuschneiden. Mehrere Dörfer wurden bereits eingenommen und Dutzende IS-Kämpfer getötet. Trotzdem zeigt der IS, dass er nicht so schnell aufgeben will – und sei es um den Preis der Zerstörung einer historischen Stadt wie Mossul.