Mormonen in Mexiko erschossen

„Duckt euch! Sofort!“: Devin (13) erzählt, wie er den Angriff erlebte

12. November 2019 - 14:24 Uhr

Mormonenfamilie geriet im Norden Mexikos in einen Hinterhalt

Auf dem Weg zu einer Hochzeit geriet eine Mormonenfamilie in Mexiko in einen blutigen Hinterhalt. Drei Mütter und sechs Kinder wurden erschossen. Der 13-Jährige Devin überlebte den Angriff und verhinderte, dass es noch mehr Tote gab. In einem Interview, das wir im Video zeigen, erzählt der Junge jetzt, was sich in den Bergen im Norden Mexikos abgespielt hat.

„Da waren so viele Kugeln“

Die Familie war mit drei Autos unterwegs. Devin saß bei seiner Mutter im Wagen, als plötzlich Schüsse fielen. "Sie fingen an, auf unser Auto zu schießen – mit sehr vielen Kugeln", erzählt der 13-Jährige. "Duckt euch! Sofort!" sei das letzte gewesen, was seine Mutter Dawna zu ihm und den anderen Kindern im Auto gesagt habe.

Dann habe sie nur noch gebetet und versucht, das Auto zu starten, um ihre Kinder aus der Gefahrenzone zu holen. Aber der Wagen sprang einfach nicht mehr an, so sehr seine Mutter es auch versuchte. Devin vermutet, dass die Angreifer ein wichtiges Teil des Motors getroffen hatten. "Es war so beängstigend. Da waren so viele Kugeln", erinnert sich der Junge.

Devin lief 22,5 Kilometer zu Fuß, um Hilfe zu holen

Angriff auf Mormonenfamilie in Mexiko
Angriff auf Mormonenfamilie in Mexiko
© dpa, Christian Chavez, MC flm

Dawna und ihre beiden Söhne Trevor und Rogan starben bei der Attacke. Doch für Devin und die anderen Kinder war der Alptraum noch nicht vorbei. Er sah die schwer bewaffneten Angreifer aus nächster Nähe: "Sie holten uns aus dem Auto. Wir mussten uns auf den Boden legen und dann fuhren sie einfach weg", erzählt der 13-Jährige. Fünf der sieben überlebenden Kinder waren angeschossen und bluteten.

"Wir liefen los, bis wir die anderen nicht mehr tragen konnten", berichtet der Junge. Die Gruppe versteckte sich im Gebüsch und Devin lief alleine weiter, denn er war nicht getroffen worden. Er versuchte, so schnell wie möglich Hilfe zu holen, doch er musste 22,5 Kilometer zu Fuß bis zur nächsten Siedlung laufen. Unterwegs hatte er die ganze Zeit Angst, dass ihn jemand verfolgt und erschießt. Er musste auch immer wieder daran denken, dass er seine Mutter und zwei seiner Brüder nie wiedersehen würde.

13-Jähriger führte die Rettungskräfte zu den verletzten Kindern

Zumindest die anderen Kinder überlebten dank seiner Hilfe, denn er führte die Retter zum Versteck im Gebüsch, sodass die Verletzten ins Krankenhaus gebracht werden konnten. In einem der Anderen Autos fanden die Retter dann auch noch die sieben Monate alte Faith. Das Baby hatte die Attacke unverletzt überlebt, weil seine Mutter es im Fußraum des Autos versteckt hatte.

Für seinen Vater ist Devin ein Held. "Er hat sein Leben riskiert für seine Brüder und Schwestern", sagt David L. im Interview. Er hat beschlossen, dass es für seine Familie in Mexiko nicht mehr sicher genug ist. Darum machte er sich zusammen mit 100 weiteren Verwandten auf den Weg in die USA. Noch ist nicht ganz klar, wer für den Angriff verantwortlich ist. Die Behörden vermuten aber, dass die Frauen und Kinder zwischen die Fronten eines Bandenkrieges gerieten. Wo die Mormonengruppe jetzt unterkommt, ist noch unklar. Aber in einem Gebiet, wo sich Drogenkartelle blutige Auseinandersetzungen liefern, möchte sie nicht mehr leben.