Mordurteil gegen Raser aufgehoben: Hat der Bundesgerichtshof die Chance auf ein Signal vertan?

02. März 2018 - 8:22 Uhr

Gewerkschaft der Polizei kritisiert BGH-Urteil

Sind Raser Mörder? Über diese Frage diskutiert Deutschland. Vor allem jetzt, nachdem der Bundesgerichtshof für die beiden Tot-Raser von Berlin Milde walten ließ - und ihre Verurteilung wegen Mordes gekippt hat. Damit sei eine Chance vertan worden, die Teilnehmer illegaler Autorennen abzuschrecken, sagt die Gewerkschaft der Polizei.  

"Wir sprechen nicht über Bagatelldelikte, wir sprechen über Tötungsdelikte"

Die wegen Mordes angeklagten Marvin N. (2.v.l.) und Hamdi H. (5.v.l.) stehen am 08.09.2016 in Berlin in einem Verhandlungssaal des Kriminalgerichts in Moabit. Die beiden Angeklagten sollen bei einem illegalen Autorennen auf einer zweispurigen Geschäf
Prozess vor dem Berliner Landgericht (Archiv),.
© dpa, Paul Zinken, pdz sab

Hamdi H. und Marvin N. rasten vor zwei Jahren mit 170 Kilometern pro Stunde über den Berliner Ku'damm, über elf Ampeln - ein illegales Autorennen, das wenig später einem 69-jährigen Unbeteiligten das Leben kostete. In Berlin wurden die Täter zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt, doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Entscheidung gibt es hier. Für viele bleibt das Urteil nicht nachvollziehbar.

"Wir sprechen nicht über Bagatelldelikte, wir sprechen über Tötungsdelikte. Und Mord als Qualifizierung hätte mindestens 15 Jahre Freiheitsstrafe bedeutet", sagt der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert. Er sei sich sicher: "Das wäre in der Szene angekommen."

Facebook-User meinen: Falsches Signal!

Denn in der Szene ist es immer noch gang und gäbe, dass Raser in illegalen Rennen regelmäßig andere gefährden, verletzen und manchmal auch töten. Das gekippte Mord-Urteil ist das falsche Signal, schreiben uns auch viele Zuschauer auf der Facebook-Seite von 'Guten Morgen Deutschland': "Man muss auch mal ein Exempel signalisieren, damit diese schwachsinnigen Rennen endlich ein Ende haben", um nur einen Post zu zitieren. Die weiteren sehen Sie eingebettet in diesen Artikel.

Sohn des Raser-Opfers: "Für mich bleibt es Mord"

28.02.2018, Berlin: Nebenkläger Maximilian Warshitsky schaut in die Kamera des Fotografen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet über das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser. Das Berliner Landgericht hat zwei Männer nach einem illegalen Autoren
Der Sohn des Opfers, Maximilian Warshitsky trat beim Prozess in Berlin als Nebenkläger auf.
© dpa, Janne Kieselbach

Der Sohn des Berliner Raser-Opfers sagt schockiert: Für ihn bleibe es Mord. Trotz des BGH-Urteils. Und genauso könnten die Richter in einem neuen Verfahren durchaus wieder urteilen. Sie müssen den Tötungsvorsatz aber anders begründen.