Mordprozess zum Horror von Höxter: Staatsanwalt in Paderborn fordert lebenslange Haftstrafen

Die Angeklagte Angelika W. (l) sitzt am 5. September 2018 neben ihrem Verteidiger Peter Wüller (r) im Landgericht Paderborn.
Die Angeklagte Angelika W. (l) sitzt am 5. September 2018 neben ihrem Verteidiger Peter Wüller (r) im Landgericht Paderborn.
© dpa, Friso Gentsch, frg

05. September 2018 - 17:06 Uhr

"Folterpaar" Wilfried W. und Angelika W. vor Gericht in Padeborn

Im Mordprozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter hat die Staatsanwaltschaft im Landgericht in Paderborn lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. beantragt - entgegen der Einschätzung einer forensischen Psychiaterin.

Höxter: Plädoyers der Staatsanwaltschaft

Der Angeklagte Wilfried Max W. (M) steht neben seinen Verteidigern Carsten Ernst (l) und Detlev Binder (r).
Der Angeklagte Wilfried Max W. (M) steht neben seinen Verteidigern Carsten Ernst (l) und Detlev Binder (r).
© dpa, Friso Gentsch, frg

Oberstaatsanwalt Ralf Meyer sieht es als erwiesen an, dass sich die beiden Angeklagten des gemeinschaftlichen versuchten und vollendeten Mordes schuldig gemacht haben. Für beide beantragte er zusätzlich die besondere Schwere der Schuld. Falls sich das Gericht dieser Ansicht anschließt, wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Für den 48-jährigen Wilfried forderte der Oberstaatsanwalt außerdem die Unterbringung in einer Psychiatrie. Überraschend schloss sich die Staatsanwaltschaft damit nicht der Empfehlung der forensischen Psychiaterin an. Die Expertin hatte in ihrem Gutachten Wilfried W. eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert.

Landgericht Paderborn: Streit um Gutachten über Angeklagten Wilfried W.

ARCHIV - KOMBO - 13.12.2016, Nordrhein-Westfalen, Paderborn: Der Angeklagte Wilfried Max W. und die Angeklagte Angelika W. sitzen im Landgericht. Am Mittwoch wird der Mordprozess nach den tödlichen Misshandlungen von Höxter fortgesetzt. Foto: Guido K
Die Angeklagten Wilfried und Angelika W.
© dpa, Guido Kirchner, gki sab jai cv fpt

Roland Weber, Anwalt einer Nebenklägerin, teilte in seinem Plädoyer die Sicht der Staatsanwaltschaft. "Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass Wilfried W. erkannt hat, dass die Tochter meiner Mandantin sterben könnte. Das Bewusstsein dafür war da. Trotz seiner Intelligenzminderung." Auch schloss Weber eine Strafminderung für die Angeklagte wegen ihres Geständnisses aus. "Sie hat allerschwerste Schuld auf sich geladen."

Laut Weber würde Angelika W. erfahrungsgemäß für 20 bis 21 Jahre ins Gefängnis gehen, wenn sich das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft anschließt.

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Anklage wegen Mordes durch Unterlassen

Blick auf das ehemalige Haus der Angeklagten im Ortsteil Bosseborn - das "Horrorhaus von Höxter"
Blick auf das ehemalige Haus der Angeklagten im Ortsteil Bosseborn - das "Horrorhaus von Höxter".
© dpa, Friso Gentsch, frg fpt

Das Paar ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Wilfried und Angelika W. sollen über Jahre hinweg mehrere Frauen in das Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort seelisch unter Druck gesetzt und zum Teil körperlich schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Am Donnerstag und in der nächsten Woche am Dienstag folgen die Plädoyers der vier Verteidiger.