Mordprozess um U-Bahn-Schubser von Berlin: Der Täter will ein Geständnis ablegen

19. September 2016 - 8:33 Uhr

Der mutmaßliche Täter war in psychiatrischer Behandlung

Im Januar 2016 ist Amanda K. auf dem Heimweg in Berlin-Charlottenburg, als ein Mann sie plötzlich von hinten angreift und vor eine einfahrende U-Bahn schubst. Die 20-Jährige stirbt noch am Unfallort an ihren schweren Verletzungen. Jetzt steht der 29-Jährige wegen Mordes vor Gericht. Weil er die junge Frau mit großer Wucht von der Bahnsteigkante geschubst haben soll, geht die Anklage von einer Tötungsabsicht aus.

Angeklagter Hamin E. beim Prozessauftakt in Berlin
Hat er Amanda K. in Tötungsabsicht vor die Bahn gestoßen?
© dpa, Jörg Carstensen, car fpt

Das Besondere an dem Fall ist, dass der Täter vermutlich psychisch krank ist – er leidet unter Schizophrenie und hatte sich selbst in psychiatrische Behandlung begeben. Einen Tag vor der Tat wurde er allerdings aus einer psychiatrischen Klinik in Hamburg entlassen. Man sah keinen Behandlungsbedarf.

Nach dem tödlichen Vorfall kritisierte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) die Justizbehörden in Hamburg scharf: "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde." Er soll bereits vorher gewalttätig geworden sein. "Wir wissen, dass er vor geraumer Zeit mit einer Jugendstrafe in Erscheinung getreten ist", erklärte der Justizsenator von Hamburg Till Steffen. Die Staatsanwaltschaft hält es sogar für möglich, dass der Mann schuldunfähig ist.

Am ersten Verhandlungstag waren die Eltern des jungen Opfers nicht erschienen. Ihr Anwalt sagte, die Sache belaste sie zu stark. Die Anwälte des mutmaßlichen Täters kündigten ein Geständnis für den zweiten Verhandlungstag an. Ihr Mandant werde "nicht bestreiten".

Die junge Frau war an der U-Bahn-Haltestelle 'Ernst-Reuter-Platz' in Berlin-Charlottenburg  ums Leben gekommen. Der Vorfall hatte große Bestürzung ausgelöst. Die Bevölkerung nahm Anteil am Tod der Abiturientin und legte Blumen und Briefe an der Unglücksstelle nieder.