Mordprozess um Horrorhaus von Höxter: Verteidiger fordert Freispruch für Angelika W.

Die Angeklagten Wilfried Max W. und Angelika W. aus Höxter stehen in Paderborn vor Gericht.
Die Angeklagten Wilfried Max W. und Angelika W. aus Höxter stehen in Paderborn vor Gericht.
© dpa, Guido Kirchner, gki sab jai cv fpt

11. September 2018 - 2:40 Uhr

Staatsanwaltschaft will lebenslange Haft für Wilfried Max W. und Angelika W.

Der Prozess um einen der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngeren Vergangenheit geht auf die Zielgerade: Staatsanwaltschaft und Nebenkläger forderten für die beiden Angeklagten im Höxter-Prozess lange Freiheitsstrafen, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und für Wilfried W. die Einweisung in die Psychiatrie. Der Anwalt der Angeklagten Angelika W. sagt zwar, das Verhalten sei "abartig und krank" - dennoch fordert er für seine Mandantin einen Freispruch.

Vergleich mit Viehhaltung: "Schweine und Kühe werden heute besser gehalten"

Im Prozess um das Horrorhaus von Höxter wählte Verteidiger Peter Wüller klare Worte. "Es gibt keine Zweifel daran, dass sich über Jahre hinweg üble Taten in dem Haus in Höxter abgespielt haben", sagte Wüller. Frauen seien systematisch entmenschlicht worden. "Sie wurden gehalten wie Vieh, nein, das stimmt nicht. Schweine und Kühe werden heute besser gehalten", sagte der Anwalt. Doch warum fordert er trotzdem einen Freispruch für Angelika W.?

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft - zweifacher Mord durch Unterlassen und versuchter Mord - seien nicht haltbar, erklärte er in seinem Plädoyer am Landgericht Paderborn. Wüller beschrieb seine Mandantin als ein Opfer, das zur Mittäterin geworden sei. "Ich habe keinen Zweifel, dass beide gemeinsam über Jahre hinweg Frauen aufs Übelste misshandelt haben." Das Gericht dürfe aber nur über das urteilen, was angeklagt und auch nachgewiesen worden sei.

Urteilsverkündung im Höxter-Prozess für 5. Oktober erwartet

Das sogenannte Horrorhaus von Höxter
Das sogenannte Horrorhaus von Höxter, in dem zwei Frauen zu Tode gequält wurden.
© dpa, Jonas Güttler, jgu pil fg vge fg

Falls das Gericht seinem Antrag auf Freispruch nicht folge, fordere er für seine Mandantin die Kronzeugenregelung - und damit die Minderung einer bei Mord fälligen lebenslangen Freiheitsstrafe, erklärte Wüller. Angelika W. habe "von Anfang an Ross und Reiter genannt. Sie hat Taten offenbart, auf die die Ermittler nie gekommen wären. Ohne ihre umfassende Aussage säßen wir heute nicht hier."

Am nächsten Prozesstag am Freitag haben die beiden Angeklagten noch die Möglichkeit des letzten Wortes. Angelika W. hatte im Vorfeld angekündigt, dafür einen ganzen Tag zu benötigen. Somit muss das Gericht mit der Urteilsverkündung auf den 5. Oktober ausweichen.