Ließ sie eine 5-Jährige verdursten?

Mordprozess: IS-Rückkehrerin Jennifer W. aus Lohne will Aussage fortsetzen

Die Angeklagte Jennifer W. in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild
Die Angeklagte Jennifer W. in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild
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22. März 2021 - 10:16 Uhr

Sie bricht ihr Schweigen

Fast zwei Jahre lang hat die als IS-Terroristin angeklagte Jennifer W. aus Lohne im Kreis Vechta in dem Mordprozess gegen sie vor dem Oberlandesgericht (OLG) München geschwiegen. Doch damit ist es nun womöglich vorbei. Die 29-Jährige wird am Montag voraussichtlich ihre Einlassung fortsetzen, die sie bislang über ihre Anwältin hat verlesen lassen. Möglicherweise wird sie darüber hinaus selbst Fragen beantworten. Das hatte sie zuletzt auch vor dem OLG Frankfurt getan, wo ihr früherer irakischer Ehemann wegen desselben Verbrechens angeklagt ist wie sie.

Sie hielten eine Kindersklavin

Jennifer W. und ihr damaliger irakischer Mann sollen für den Tod eines kleinen jesidischen Mädchens verantwortlich sein. 2015 soll die kleine Rania im Hof ihres Hauses in Falludscha (Irak) gestorben sein - gefesselt bei brennender Hitze. Der Ehemann von Jennifer W. soll sie angebunden, die 29-Jährige tatenlos dabei zugesehen haben.

"Ich sah, dass sie schwächer wurde"

Als Jennifer W. als Zeugin in Frankfurt aussagte, hatte die Angeklagte zuletzt angegeben, ihr damaliger Mann habe das jesidische Mädchen und dessen Mutter sehr streng behandelt und auch häufig geschlagen. Etwas, das sie vor Gericht in München nicht mitgeteilt hatte. Dort hatte sie die Angaben der jesidischen Frau, die als Nebenklägerin in dem Verfahren auftritt, damit zu erklären versucht, dass sie sich vielleicht geirrt und einen anderen Haushalt gemeint habe.

Anfangs habe es vielleicht einmal in der Woche Schläge gegeben, zum Schluss fast täglich, sagte sie in Frankfurt. Auch die kleine Rania sei beschimpft und geschlagen worden, etwa wenn sie beim Beten Fehler gemacht habe.

Über den Tag, an dem das Kind gestorben sein soll, sagte sie, sie habe nicht gewagt, einzugreifen. "Ich habe mir dann überlegt, was ich mache, aber mich nicht getraut." Dann habe sie noch einmal nach dem Kind gesehen. "Ich sah, dass sie schwächer wurde."

Quelle: DPA / RTL.de