"Ich will nicht, dass sie bei den nächsten Terminen bandagiert hier auftauchen"

Mordprozess in Tübingen: Richter schützt angeklagte Polizistinnen

8. November 2019 - 21:43 Uhr

Angeklagte gesteht: Wollte meinen Mann vergiften

Eine Polizistin hat im Prozess gegen sie gestanden, dass sie ihren Ehemann vergiften und töten wollte. Die Staatsanwaltschaft geht zum Prozessauftakt am Landgericht Tübingen davon aus, dass die 40-Jährige aus Angst vor dem Verlust des Sorgerechts für ihre zwei Kinder handelte - sie wirft Heike Z. versuchten Mord vor.

Er wollte ihr die Kinder wegnehmen und sie hatte Angst vor ihm

ARCHIV - 07.03.2018, Baden-Württemberg, Tübingen: Das Land- und Amtsgericht Tübingen. (zu dpa: «Beginn Prozess gegen zwei 40 und 42 Jahre alte Polizistinnen wegen versuchten Mordes") Foto: Sina Schuldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Das Land- und Amtsgericht Tübingen.
© dpa, Sina Schuldt, ssd fpt bwe

Die 40 Jahre alte Mutter zweier Kinder gab an, ihr 52 Jahre alter Ehemann - ebenfalls Polizeibeamter - habe sie psychisch unter Druck gesetzt. Um ihn zu töten, habe sie ihm im Februar in der gemeinsamen Wohnung Insulin gespritzt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer Überdosis des Medikaments. Auf Drängen des später hinzugekommenen Sohnes rief die 40-Jährige laut Anklage den Rettungsdienst, sodass der Mann überlebte.

"Ich habe die Belastung von Beschimpfungen, Beleidigungen und Erniedrigung nicht mehr ertragen. Er sagte, ich sei allein nicht lebensfähig, würde den Haushalt nicht richtig führen. Er hat damit gedroht, sich zu trennen und dass ich meine Kinder dann nie wieder sehen darf.  An einem Abend ist er völlig ausgerastet. Ich hatte Angst vor ihm." Außerdem gab sie an, ein Alkoholproblem zu haben und Antidepressiva genommen zu haben.

Richter: "Polizistinnen im Gefängnis haben kein gutes Leben"

Richter am LAndgericht Tübingen, in der Mitte Ulrich Polachowski
Der Vorsitzende Richter Ulrich Polachowski (Mitte).

Angeklagt ist auch eine Kollegin. Die 42-Jährige soll das Insulin besorgt haben, das dem Ehemann verabreicht wurde. Sie machte bisher keine Aussage, weinte viel am ersten Prozesstag.

Zuvor ordnete der Richter eine ungewöhnliche Maßnahme an: Die Angeklagten wurden zu ihrer eigenen Sicherheit erst nach Beginn des Prozesses in den Gerichtssaal gebracht, als Fotografen und Kameraleute den Saal bereits verlassen hatten. Der Vorsitzende Richter Ulrich Polachowski sagte, er wolle die Frauen schützen. "Polizistinnen im Gefängnis haben kein gutes Leben. Ich will nicht, dass sie bei den nächsten Terminen bandagiert hier auftauchen."