Mordprozess in Köln: Mutter ließ blutende Lea Sofie (2) liegen, bis sie tot war

31. Mai 2013 - 16:01 Uhr

Menschen durch Unterlassen getötet, "ohne Mörderin zu sein"

Vier Monate nach dem qualvollen Tod der zweijährigen Lea Sofie hat in Köln der Mordprozess begonnen. Die Mutter des Mädchens ist wegen Totschlags durch unterlassene Hilfeleistung angeklagt. Ihr Lebensgefährte muss sich vor dem Landgericht wegen Mordes verantworten.

Lea Sofie Mordprozess Köln
Der angeklagte Lebensgefährte der Mutter des ermordeten Mädchens, Patrik L. (r), sitzt im Landgericht in Köln neben seinem Anwalt Sebastian Schölzel.
© dpa, Oliver Berg

Patrik L., der erst wenige Monate zuvor bei Mutter und Kind einzogen war, soll im vergangenen Dezember komplett ausgerastet sein. Mit seinem Zuschlagen habe der 23 Jahre alte Mann das kindertypische Lärmen und Toben der Kleinen stoppen wollen, sagte Staatsanwältin Simone Laumen. "Er wollte für Ruhe sorgen" und habe damit gerechnet, dass das Mädchen sterben würde.

Laut Anklage ging der Mann ungezügelt brutal gegen die kleine Lea Sofie vor, schlug sie mit der Faust ins Gesicht, zerrte sie an ihren Haaren hoch, sodass sich "die Kopfschwarte von der Schädeldecke des Mädchens ablöste". Das Kind schlug auf den Boden oder gegen die Wand auf, starb später an den Folgen massiver, "stumpfer Gewalt".

Als die Mutter nach Hause kam, holte sie für das blutende Kind, das die Augen verdrehte und sich mehrfach übergeben musste, noch nicht einmal einen Arzt. Sie habe die Verletzungen etwas gekühlt und das Mädchen dann im Bettchen sich selbst überlassen. Daher wird der Mutter vorgeworfen, "einen Menschen durch Unterlassen getötet zu haben, ohne Mörderin zu sein". Nach der Attacke lebte Lea Sofie noch drei Tage weiter. Franziska M. habe "keinerlei Rettungsmaßnahmen" für ihre blutende, offenkundig schwerstverletzte Tochter unternommen. Sie habe das Sterben ihrer Tochter über drei Tage hinweg billigend in Kauf genommen. Die Kleine starb an Hirngewebsschwellungen und zentralem Regulierungsversagen.

Verteidiger beklagen "virtuelle Hetzkampagne"

Lea Sofies Mutter vertuschte sogar die Tat ihres Lebensgefährten, indem sie ihr Kind nach dessen Tod bei der Polizei als vermisst meldete. Das Paar soll die Leiche nachts von der Wohnung in Köln-Chorweiler in den nahegelegenen Park am Fühlinger See geschafft und dort in einen Tannenbusch geworfen haben. In einer groß angelegten Suchaktion wurde der winzige Leichnam Stunden später entdeckt.

Die beiden jungen Angeklagten sagten zum Prozessauftakt nichts zur Tat. Sie schauten kaum auf, machten nur einige wenige Angaben zu ihren Personalien. Ihren Verteidigern zufolge wollen sie später aussagen – aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Verteidiger der jungen Frau, Lukas Pieplow, sagte, viele Menschen hätten öffentlich um das kleine Mädchen getrauert und für seine Beerdigung in kleinem Kreis im Februar gespendet. Dafür bedanke sich seine Mandantin. Sie werde sich ihrer "Mitverantwortung stellen und darüber Auskunft geben". Pieplow prognostizierte: Auch am Ende des Verfahrens werde es "kein Verstehen der Tat" geben

Laut seiner Anwälte ist das Paar -insbesondere Patrick L. - einer "virtuellen Hetzkampagne" vor allem via Facebook ausgesetzt, einige hätten gar zur Lynchjustiz aufgerufen. Die Vorsitzende Richterin Ulrike Grave-Herkenrath entsprach dem Antrag der Verteidigung und schickte Medien und Zuschauer bereits nach weniger als einer Stunde aus dem Saal. Laut Gerichtssprecher wird die Beweisaufnahme damit wohl überwiegend unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen, diese aber möglicherweise bei Plädoyers und Urteil wieder zugelassen.