Mordprozess in Gera fortgesetzt - Islamexperte sagt aus

18. März 2020 - 11:20 Uhr

Unter erhöhten Hygienevorkehrungen ist am Landgericht Gera der Prozess um den gewaltsamen Tod einer 87-Jährigen in Jena fortgesetzt worden. Besucher mussten sich am Mittwoch wegen der Ausbreitung des Coronavirus am Eingang des Justizzentrums Gera die Hände desinfizieren, wurden nach ihrem Gesundheitszustand befragt und gebeten, Kontaktdaten zu hinterlassen. Davon ließen sich immerhin sechs Besucher nicht abhalten, den seit Oktober währenden Mordprozess als Zuschauer zu verfolgen.

Vor Gericht sagte ein Islamwissenschaftler des Landeskriminalamtes aus. Er hatte im Auftrag der Ermittler Chatnachrichten von einem Handy des Angeklagten analysiert. Darunter fanden sich den Aussagen zufolge verschiedene Bittgebete. "Von dem, was ich gelesen habe, geht es um ein Reuebekenntnis", sagte der Experte. Solche Bittgebete seien typisch für jemanden, der in unterschiedlichen Lebenssituationen unter psychischem Stress stehe. Er schätzte ein, dass etwas geschehen war, was das alltägliche Maß übersteige. Das sei aber nicht zwingend.

Wegen Mordes aus Habgier angeklagt ist ein Afghane. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Er soll nach Überzeugung der Anklage im Januar 2019 seine Nachbarin getötet, den Leichnam in einen Koffer gesteckt und im Keller des Wohnhauses in Jena-Winzerla deponiert haben. Zudem soll er versucht haben, 7000 Euro vom Konto der Frau mithilfe einer gefälschten Überweisung auf ein eigenes Konto zu transferieren. Dazu kam es aber nicht, weil eine Bankangestellte stutzig geworden war.

Für den Prozess hat die 1. Strafkammer weitere Verhandlungstermine bis in den April hinein vorgesehen.

Quelle: DPA