Mordprozess in Flensburg: 17-Jährige aus Eifersucht von Ex-Freund erstochen

Auftakt Mordprozess gegen afghanischen Asylbewerber.
Auftakt Mordprozess gegen afghanischen Asylbewerber.
© dpa, Carsten Rehder, reh cul

04. September 2018 - 11:55 Uhr

Opfer hatte neuen Partner – 14 Messerstiche aus Eifersucht

Ein junger Mann muss sich vor dem Landgericht Flensburg wegen Mordes an einer 17-Jährigen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Afghanistan stammenden Angeklagten vor, die junge Frau aus niederen Beweggründen mit 14 Messerstichen am 12. März dieses Jahres getötet zu haben. Laut Ankläger soll der Mann aus Eifersucht gehandelt haben, weil das Mädchen in den Wochen zuvor eine andere Beziehung eingegangen sei. Die Hinwendung zu ihrem neuen Partner und die damit einhergehende, von ihm unabhängige Lebensgestaltung habe der Angeklagte nicht akzeptieren wollen.

Frage nach Alter des mutmaßlichen Täters

Zu Beginn des Prozesses muss das Gericht zunächst die Altersfrage klären, da es nach Gerichtsangaben widersprüchliche Angaben zum Alter des Angeklagten gibt. Die Staatsanwaltschaft habe ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wenn der Angeklagte zur Tatzeit wie zunächst angenommen 18 Jahre alt war, muss die Kammer entscheiden, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt wird. Dann beträgt die Höchststrafe den Angaben zufolge "im Regelfall zehn Jahre". War er dagegen bereits 21 Jahre alt, käme das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung. Dann droht eine lebenslange Strafe.

Täter und Opfer standen unter Obhut des Jugendamtes

Der mutmaßliche Täter und das Opfer standen seit Jahren unter der Obhut des Jugendamts Flensburg – das deutsche Mädchen wegen ihrer schwierigen Familiensituation, der junge Afghane, weil er 2015 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland kam.

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Erinnerungen an Kandel

Der Fall hatte nicht nur in Flensburg für Entsetzen und Trauer gesorgt – weil das Opfer so jung war und wegen der Ähnlichkeiten mit der Bluttat von Kandel wenige Monate zuvor. In der pfälzischen Kleinstadt starb Ende Dezember 2017 eine 15-Jährige, nachdem ihr Ex-Freund, ebenfalls ein Flüchtling vermutlich aus Afghanistan, mit einem Messer zustach. Er wurde an diesem Montag wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. In Kandel nutzten rechte Gruppierungen die Tat immer wieder zur Agitation in dem Ort - gegen den Willen vieler Bürger. In Flensburg gab es keine Protestzüge von Rechtspopulisten. Auch eine öffentliche Trauerfeier wenige Tage nach der Tat verlief ohne Zwischenfälle und Störungen.