Angeklagter Marvin N. bricht sein Schweigen im Prozess

Sohn des Opfers der Ku'damm-Raser: „Warum sollte ich Mitleid haben?“

05. März 2019 - 23:53 Uhr

„Leben ein Scherbenhaufen“ seit dem Tag im Februar 2016

Überraschend hat sich der Angeklagte Marvin N. im Mordprozess zum Raser-Unfall auf dem Kurfürstendamm in Berlin geäußert. Über drei Jahre nach dem Rennen, das für den Fahrer eines unbeteiligten Jeeps tödlich endete, ließ Marvin N. seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Darin heißt es, er habe in der Untersuchungshaft seine völlige Selbstüberschätzung erkannt. Sein Leben sei seit dem Tag der Todesfahrt im Februar 2016 "ein Scherbenhaufen". Warum der Sohn des Raser-Opfers, Maximilian Warshitsky, dieses Statement für "sinnlos" hält, erklärt er im Video oben.

Keine Verabredung zum „Stechen“

Der Rückblick auf den Tag des Todescrashs sei ihm peinlich, ließ Marvin N. verlautbaren. Es habe keine Verabredung zum "Stechen" mit dem Mitangeklagten Hamdi H. gegeben. Als "Stechen" wird das illegale Autorennen von einer roten Ampel bis zur nächsten bezeichnet. Die beiden hätten sich flüchtig vorher gekannt, wie RTL-Reporterin Julia Kubowicz weiter aus dem Prozess berichtet.

Das Rennen ließ Marvin N. seinen Anwalt so beschreiben: An einer Ampel habe Hamdi H. ihn durch Gasgeben und Anfahren zum Rennen aufgefordert. Schon nach dem ersten Stechen sei für Marvin N. klar gewesen, dass sein Wagen das stärkere Auto sei. Hamdi habe nicht locker gelassen - "es entstand ein Katz-und-Maus-Spiel", so der Anwalt. 80 Meter vor der roten Ampel, an der es zum Todescrash kam, habe sich Marvin N. entschieden, Gas zu geben. Er habe damit gerechnet, dass die Ampel grün würde.

Doch das war eine Fehleinschätzung. Laut Anklage krachte sein Wagen mit 170 Stundenkilometern in einen Jeep, der rund 70 Meter weit geschleudert wurde. Der am Rennen unbeteiligte Familienvater im Unfallwagen starb.

Neue Verhandlung nach BGH-Urteil

ARCHIV - 01.02.2016, Berlin: Fahrzeugteile liegen nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße. Drei Jahre nach einem illegalen Autorennen mit tödlichen Folgen auf dem Berliner Kurfürstendamm will einer der beiden Angeklagten sein Schweige
Archivfoto: Der Ort des Geschehens nach dem illegalem Autorennen in Berlin.
© dpa, Britta Pedersen, ped kno fux kno

Eine andere Strafkammer des Landgerichts hatte im Februar 2017 gegen die inzwischen 27- und 30-jährigen Angeklagten deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall lebenslange Haftstrafen wegen Mordes verhängt. Doch die spektakuläre Entscheidung hatte keinen Bestand: Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil im März 2018 auf und ordnete eine neue Verhandlung an. Der BGH sah den bedingten Tötungsvorsatz nicht ausreichend belegt.