Mordprozess gegen IS-Anhänger

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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22. April 2020 - 7:52 Uhr

Er soll im Irak ein kleines Mädchen durch eine Strafaktion in sengender Hitze ermordet haben: Wegen dieser und anderer schwerwiegender Vorwürfe steht von diesem Freitag (24.4.) an ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz IS vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Der Generalbundesanwalt hat den 37 Jahre alten Iraker Taha Al J. unter anderem auch wegen Völkermords, Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Menschenhandels und Kriegsverbrechen angeklagt.

Zu seinen Opfern sollen eine junge Mutter und deren kleine Tochter zählen, die in ihrer Heimat Syrien der religiösen Minderheit der Jesiden angehörten. Deshalb sollen die beiden Frauen der Anklage zufolge Ende Mai/Anfang Juni 2015 auf einer Art Sklavenmarkt von dem Mann gekauft und anschließend von ihm und seiner Ehefrau versklavt worden sein.

Die Frau und ihr Kind sollen immer wieder geschlagen, misshandelt und unzureichend mit Essen versorgt worden sein. Zwischen Ende Juli und September 2015 soll das Mädchen auf eine Matratze uriniert und so den Zorn des Angeklagten auf sich gezogen haben. Er habe zunächst die Mutter gezwungen, bei einer Außentemperatur von bis zu 50 Grad im Schatten barfuß eine halbe Stunde im Hof des Anwesens im irakischen Falludscha zu stehen. Dann soll er das Mädchen, das nach seiner Mama rief, an ein Fenstergitter im Hof gefesselt haben, in voller Sonne und sengender Hitze. Das Kind soll wenig später in der Gluthitze gestorben sein.

Gegen die aus Lohne in Niedersachsen stammende Frau läuft seit rund einem Jahr ein gesonderter Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Sie soll tatenlos zugesehen haben, wie ihr irakischer Ehemann das Mädchen sterben ließ. Die Ermittlungen waren ins Rollen gekommen, weil die Frau einem verdeckten Ermittler in einem verwanzten Auto von der Tat berichtet haben soll, als sie versuchte, erneut in den Irak auszureisen. In Bayern wurde sie dann jedoch festgenommen. Später wurde die Mutter des Mädchens ausfindig gemacht.

Es wird mit einem langen Verfahren gegen Taha Al J. vor dem Oberlandesgericht Frankfurt gerechnet. Schon jetzt sind 22 Verhandlungstage bis Ende August angesetzt. Er war im Mai 2019 in Griechenland festgenommen und im Oktober 2019 nach Deutschland ausgeliefert worden. Die Festnahme war am Flughafen Frankfurt, deshalb findet der Prozess nun auch dort statt. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Die Anklage wirft Al J. unter anderem auch vor, seit Anfang 2015 als Leiter eines Büros für "Schariagemäße Geisteraustreibung" im syrischen Rakka tätig gewesen zu sein und mehrfach in einem Frauenhaus des IS entsprechende Sitzungen durchgeführt zu haben. Darüber hinaus soll er einem IS-Mitglied in der Türkei mit dem Umgang mit Sprengstoff vertraut gemacht haben.

Quelle: DPA