Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen

Mordfall Walter Lübcke: Verdächtiger soll 1993 Anschlag auf Asylbewerberheim verübt haben

Der erschossene Regierungspräsident Walter Lübcke ist in seinem Heimatort beigesetzt worden.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat

18. Juni 2019 - 7:34 Uhr

Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall Walter Lübcke

Kurz nach der Festnahme eines dringend Tatverdächtigen im Mordfall Walter Lübcke hat die Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen, wie eine Sprecherin der Karlsruher Behörde erklärte. Die Ermittler gehen von einem "rechtsextremistischen Hintergrund" aus. Grundlage seien das Vorleben und frühere Äußerungen des festgenommenen 45-Jährigen, der dringend verdächtig sei, den Kasseler Regierungspräsidenten mit einem Kopfschuss getötet zu haben, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe.

Tatverdächtiger Stephan E. sitzt in Untersuchungshaft.

Bislang gebe es keine Hinweise auf ein rechtsterroristisches Netzwerk. "Wir gehen natürlich auch der Frage nach, ob und inwieweit bislang unbekannte Hintermänner oder Tatbeteiligte in die Tat eingebunden waren", sagte der Sprecher. Bei einer Durchsuchung sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Spezialeinheiten hatten den tatverdächtigen Stephan E. am frühen Samstagmorgen in Kassel gefasst, er sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht in Untersuchungshaft.

Rohrbombe in brennendem Auto deponiert

Wie die "Zeit" berichtete, soll der Verdächtige bereits 1993 eine Asylbewerberunterkunft mit einer Rohrbombe angegriffen haben. Er habe den Sprengsatz in einem brennenden Auto vor der Unterkunft im hessischen Hohenstein-Steckenroth deponiert, erfuhr die Zeitung aus Sicherheitskreisen. Die Bewohner konnten das Fahrzeug aber gerade noch rechtzeitig löschen, bevor die Bombe explodierte.

Für die Tat habe der Mann bereits eine Gefängnisstrafe abgesessen. Er sei bereits zuvor unter anderem wegen Brandstiftung sowie Verstößen gegen das Waffengesetz und Körperverletzung in Erscheinung getreten.

45-Jähriger soll im NPD-Umfeld aktiv gewesen sein

Der Mann aus Kassel soll im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein, berichtet "Spiegel Online". Demnach wurde er vor zehn Jahren mit etwa 400 Autonomen Nationalisten in Dortmund von der Polizei festgesetzt. Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke gehörte dem Bericht zufolge damals zu den Beschuldigten, die eine Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes attackiert haben sollen.

Hass im Netz gegen Walter Lübcke

Da sich der Verdacht auf rechtsextremistischen oder rechtsterroristischen Hintergrund des tödlichen Kopfschusses erhärtete, übernahm die Generalbundesanwaltschaft am Montag die Ermittlungen. Lübcke hatte zu Lebzeiten Morddrohungen erhalten und sein Tod wurde in den sozialen Netzwerken aus rechten Kreisen gefeiert.

Auslöser für den rechten Hass gegen Lübcke waren die klaren Aussagen des Kasseler Regierungspräsidenten für die Aufnahme Geflüchteter im Jahr 2015. Bei der Trauerfeier für Walter Lübcke würdigten Angehörige und Wegbegleiter ihn als Menschenfreund "Mann des klaren Wortes und der klaren Tat."