Wende im Mordfall Walter Lübcke?

Stephan Ernst bestreitet Mord an Kasseler Regierungspräsidenten und beschuldigt Komplizen

09. Januar 2020 - 6:23 Uhr

Stephan Ernst: Markus H. hat Walter Lübcke versehenlich umgebracht

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat in einer erneuten Vernehmung vor einem Ermittlungsrichter bestritten, den Politiker getötet zu haben. Stattdessen beschuldigt der Rechtsradikale einen weiteren Täter, den 43-jährigen Neonazi Markus H., den tödlichen Schuss abgegeben zu haben.

"Haben ihn aufgesucht, um ihm eine Abreibung verpassen"

Die beiden mutmaßlichen Täter Stephan Ernst und Markus H. hätten den Politiker nur besuchen und "ihm eine Abreibung verpassen wollen", so E.s Anwalt Frank Hannig in einem Pressestatement. Als Walter Lübcke um Hilfe rufen wollte, habe sich der tödliche Schuss gelöst.

Offenbar keine Hinweise auf weiteren Täter

ARCHIV - 03.06.2019, Hessen, Wolfhagen: Mit Flatterband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist der Bereich vor dem Haus des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke abgesperrt. Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke, Stephan E., hat sein
Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat cul rho

Laut Informationen des NDR konnten die Ermittler trotz DNA-Test bislang jedoch keine Spuren auf einen zweiten Täter finden. Auch die Überprüfung von H.s Handy soll laut ARD keine neuen Beweise gebracht haben. Markus H. wird bislang Beihilfe zum Mord vorgeworfen, weil er Stephan E. geholfen haben soll, die Mordwaffe zu besorgen.

DNA-Test führt zum mutmaßlichen Täter

Am 2. Juni 2019 war CDU-Politiker Walter Lübcke auf der Terrasse seines Privathauses mit einem Kopfschuss getötet worden. Eine Hautschuppe auf Lübckes Hemd und ein folgender DNA-Abgleich hatten die Ermittler auf Stephan Ernsts Spur geführt. Nach seiner Festnahme 13 Tage später hatte Ernst erst ein umfangreiches Geständnis abgelegt, dieses aber nur wenig später wieder zurückgezogen. Dem Geständnis zufolge, wollte E. die Tat allein begangen haben. Laut Generalbundesanwalt soll Ernst aus rechtsextremen Motiven gehandelt haben. Es wäre somit der erste politisch motivierte Mord an einem Politiker seit Gründung der Bundesrepublik.

Anwalt heizt Spekulationen um Mittäter an

Stephan Ernsts Anwalt, Frank Hannig, hatte bereits im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass es Gerüchte über Mittäter gab. Hannig hatte die Ermittler nach DNA-Spuren weiterer Täter suchen lassen, die jedoch bislang nicht gefunden wurden.

Schon damals hatte er auch ein weiteres Geständnis seines Mandanten angekündigt. Er wolle alle noch offenen Fragen des Tathergangs aufklären, so der Anwalt.

Lübcke-Mord fördert bundesweite Debatte um Gefährdung von Politikern

Besonders die Tatsache, dass Walter Lübcke auf der Terrasse seines eigenen Hauses erschossen wurde, hatte ein Schlaglicht darauf geworfen, dass besonders Kommunalpolitiker immer wieder angefeindet und bedroht werden. Die Bundesregierung hatte daraufhin eine schnelle Aufklärung des Mordes an Walter Lübcke gefordert.