Nach Zeugenaussagen

Mordfall Walter Lübcke: Ermittler prüfen Hinweise auf Mittäter

© dpa, Swen Pförtner, spf jat

19. Juni 2019 - 8:53 Uhr

Handelte Stephan E. nicht allein?

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan E. aus Kassel sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er ist dringend verdächtig, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Möglicherweise handelte er nicht allein: Die Bundesanwaltschaft prüft nach Medienberichten Hinweise auf weitere Täter.

Zeuge will in der Nacht des Mordes an Walter Lübcke zwei Autos bemerkt haben

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR will ein Zeuge in der Tatnacht zwei Autos bemerkt haben, die in "aggressiver Manier" durch Lübckes Wohnort fuhren. 20 Minuten zuvor habe der Zeuge, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, einen Schuss gehört. Lübcke wurde in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung am Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt, wenig später starb er.

Er habe, so der Zeuge, den Eindruck gehabt, als hätten sich die beiden Autofahrer verfahren. Eines der Fahrzeuge sei ein Volkswagen Caddy gewesen, das andere habe der Mann nicht beschreiben können, heißt es in dem Bericht. Später hätten die Ermittlungen ergeben, dass Stephan E. einen solchen VW Caddy fahre, der auf seine Frau zugelassen sei.

Bundesanwaltschaft sieht rechtsextremem Hintergrund

Die Bundesanwaltschaft hatte am Montag erklärt, es gebe bisher keine Hinweise, dass eine terroristische Vereinigung hinter dem Mord stecke. Innenminister Horst Seehofer (CSU) betonte am Dienstag, ob der Tatverdächtige allein gehandelt habe oder als Teil eines Netzwerks, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Bereits im Haftbefehl gegen Stephan E., den eine Richterin des Amtsgerichts Kassel am Samstag ausstellte, soll es laut Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR geheißen haben, es gebe "Hinweise auf Mittäter oder Mitwisser". Bei der Durchsuchung der Wohnung von Stephan E. hätten die Ermittler einen weiteren Autoschlüssel entdeckt, versteckt im CD-Fach eines Radios im Gäste-WC. Dieser gehöre zu einem Fahrzeug der Marke Skoda, das Stephan E. kurz vor der Tatnacht von einem Familienmitglied übernommen haben soll. Bis jetzt sei dieses Auto nicht gefunden worden.