17. Juni 2019 - 11:06 Uhr

Verdächtiger in Untersuchungshaft

Im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben Spezialeinheiten der hessischen Polizei in Kassel einen 45-jährigen Mann festgenommen. Der dringend Tatverdächtige wurde in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt mitteilten. Laut Medienberichten soll der Mann der rechten Szene angehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es noch nicht.

DNA-Treffer

Erschossener Regierungspräsident Lübcke in Heimatort beigesetzt
Das Konterfei von Walter Lübcke (CDU) ist hinter einem Bundeswehrsoldaten am Sarg bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche zu sehen.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat

"Die Festnahme erfolgte aufgrund eines DNA-Spurentreffers", teilten die Behörden mit. Weitere Informationen zur Festnahme und zum Stand der Ermittlungen wollen Staatsanwaltschaft und LKA kommende Woche bekannt gegeben. Bei dem Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge nicht um den Mann, der zuvor an der niedersächsischen Nordseeküste vorübergehend in Gewahrsam genommen worden war.

Die "Bild"-Zeitung meldete unter Berufung auf Ermittler, dass der 45-Jährige der rechtsextremen Szene angehören könnte. Auch nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stammt er aus diesem Milieu. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage zu diesen Berichten nicht äußern. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Tatverdächtige vermutlich früher Kontakte in die rechte Szene gehabt habe. Es sei aber nicht klar, ob das auch aktuell noch der Fall sei.

Lübcke erhielt Morddrohungen aus der rechten Szene

Lübcke hatte schon zu Lebzeiten Morddrohungen erhalten. Als Chef des Regierungspräsidiums Kassel, einer Art Mittelbehörde zwischen der Landesregierung und den Kommunen, hatte er sich in für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordhessen ausgesprochen. Dafür wurde er massiv aus dem rechten Lager angefeindet. Eine Verbindung zu der Bluttat hatten die Ermittler bislang allerdings nicht gesehen. Nach Lübckes Tod hatten hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene im Internet für Empörung gesorgt.

Der Fall Walter Lübcke

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf. Eine 50-köpfige Sonderkommission unter Leitung des hessischen Landeskriminalamts hatte die Ermittlungen aufgenommen. Der frühere Landtagsabgeordnete Lübcke war ein politischer Spitzenbeamter. Er stand an der Spitze des Regierungspräsidiums Kassel, einer Art Mittelbehörde zwischen der Landesregierung und den Kommunen. Er hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Was sein Sohn auf der Trauerfeier für den erschossenen Vater sagte - in unserem Video.