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Mordfall Nemzow: Verdächtiger erklärt sich schuldig

Mordfall Nemzow: Verdächtiger erklärt sich schuldig

Fünf Verdächtige verhaftet

Einer der Verdächtigen im Mordfall des Kremlkritikers Boris Nemzow hat eine Beteiligung an der Tat zugegeben. Saur D. habe ein Geständnis abgelegt, sagte die Moskauer Richterin Natalja Muschnikowa russischen Agenturen zufolge. Der Verdächtige muss vorerst bis zum 28. April in Untersuchungshaft, wie eine Gerichtssprecherin zuvor mitgeteilt hatte.

Mordfall Nemzow: Verdächtiger erklärt sich schuldig
Gedenken an Nemzow, nahe des Kreml.
dpa, Sergei Ilnitsky

Die 'heiße Spur' bei der Jagd nach dem Mörder Nemzows führte die russischen Ermittler in den Nordkaukasus. In Windeseile und abgeschirmt von der Öffentlichkeit nehmen die Sicherheitskräfte fünf Verdächtige aus der islamisch geprägten Unruheregion fest. Einer bekennt sich schuldig, an der schweren Bluttat beteiligt gewesen zu sein – Kremlgegner mutmaßen, Saur D. sei nur ein Bauernopfer der unter Druck stehenden Ermittler. Die schwere Bluttat hatte nicht nur Russland schockiert, sondern auch den Westen erschüttert.

Über Saur D. berichteten Medien, er komme aus einer Spezialeinheit der Sicherheitskräfte der Nordkaukasusrepublik Tschetschenien. Der Verdächtige Ansor G. soll für eine private Sicherheitsfirma in Moskau gearbeitet haben. Später wurden auch dessen jüngerer Bruder Schagid G. sowie zwei Männer namens Ramsat B. und Tamerlan E. festgenommen. Über sie war zunächst nichts Näheres bekannt. Die Behörden gingen weiterhin von einem Auftragsmord aus, berichtete die Agentur Interfax.

Weggefährten des ermordeten Oppositionspolitikers Nemzow zweifeln an einer schnellen Aufklärung des Verbrechens. "Es ist schwer zu beurteilen, ob das wirklich die Täter sind oder ob die Untersuchungen auf dem Holzweg sind", kommentiert der Oppositionelle Ilja Jaschin. "Am wichtigsten aber ist, dass es nicht bei der Festnahme von Schützen bleibt. Die Hauptaufgabe ist, die Auftraggeber zu finden", mahnt Jaschin. Oppositionelle vermuten die Drahtzieher im direkten Umfeld des Kremls. In Erwägung gezogen wurde auch eine Tat von Ultranationalisten, um die prowestliche Opposition zu schwächen.

Islamisch-extremistisches Motiv?

Der Oppositionspolitiker Boris Nemzow war am 27. Februar von einem Unbekannten in der Nähe des Kremls hinterrücks erschossen worden. Saur D. war in der Teilrepublik Inguschetien im Nordkaukasus gefasst worden. Alle fünf Verdächtigen wurden am Sonntag einer Haftrichterin vorgeführt. Ihnen wird vorgeworfen, an der Organisation und Ausführung der Tat beteiligt gewesen zu sein. Die vier übrigen Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen nach Angaben des Gerichts zurück.

In der Unruheregion Nordkaukasus kommt es immer wieder zu Anschlägen von Extremisten. Eine der Theorien der Behörden zum Motiv für die Ermordung Nemzows ist ein islamisch-extremistischer Hintergrund. Der Oppositionspolitiker soll Drohungen aus diesem Milieu erhalten haben, weil er sich nach dem Anschlag auf die Pariser Satirezeitung 'Charlie Hebdo' im Januar solidarisch mit den Opfern gezeigt hatte.